Chachapoyas – auf den Spuren der Nebelkrieger

Chachapoyas – auf den Spuren der Nebelkrieger

Inmitten der Anden, umgeben von majestätischen Gipfeln und tiefen Tälern, üppigen Wiesen und tiefgrünen Wäldern liegt die Provinz des Amazonas im nördlichen Peru. Und genau dort, eingebettet in die Felsformationen, befindet sich Chachapoyas, die Hauptstadt der Region.

Erbaut von den spanischen Kolonialherrschern ist Chachapoyas heute ein friedliches kleines Bergstädtchen, welches den Zugang zu zahlreichen faszinierenden Ausflugszielen darstellt. Hier gibt es von historischen Ruinen, alten Festungen und Überresten einer längst vergessenen Kultur bis hin zu imposanten Wasserfällen und tief verzweigten Höhlen eine Vielzahl an Attraktionen – und doch gilt die Region bis heute als relativ unbekannt.

Das liegt vor allem an der recht schwierigen Anreise: 22 Stunden mit dem Bus muss man auf sich nehmen, aber dafür wird man reich belohnt. Vergessen sind die überfüllten Ruinen von Machu Pichu, wo man auf jedem geschossenen Foto einen Touristen mit Kamera im Bild hat. Hier ist es noch möglich, auf den Spuren der Vergangenheit zu wandeln und dabei stundenlang keiner Menschenseele zu begegnen.

Von der Kuelap Festung, die vom Volk der Chachapoyas erbaut wurde bis hin zum Gocta Wasserfall, der der drittgrößte der Welt sein soll, rund um Chachapoyas warten unzählige Sehenswürdigkeiten darauf, entdeckt zu werden. Und auch wenn die Straßen oft rumpelig sind, lohnt sich jeder einzelne Trip.

Buchen kann man die Ausflüge übrigens am besten direkt vor Ort: Mitten in Chachapoyas, am Plaza de Armas, findet man nicht nur zahlreiche entzückende Restaurants und Cafés, sondern auch Agenturen, die jeden Trip von A bis Z organisieren können.

Ausgangsort für Expeditionen in den Amazonas

Chachapoyas wurde am fünften September 1538 von dem spanischen Eroberer Alonso de Alvarado gegründet – allerdings nicht dort, wo es heute steht. Im Gegenteil, zuerst wurde die Siedlung in der Nähe des heutigen La Jalca gegründet und zog dann weiter in die Nähe von Levanto, bis sie schließlich, erst acht Jahre später, ihren heutigen Standort behielt. Doch warum mussten die Spanier mit ihrer „Basis“ für den Nordosten Perus so oft umziehen? Grund dafür waren die Rebellen in der Umgebung, die ihnen das Leben schwer machten. Ihre Siedlungen waren aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten schwer zu verteidigen und sie kannten sich auf dem Terrain, welches die Ureinwohner Perus seit Jahrtausenden bewohnten, kaum aus. Und auch die Natur machte ihnen einen Strich durch die Rechnung und überzog die frühen Siedlungen mit Stürmen und Dürreperioden.

Doch schließlich fand man eine endgültige Heimat, und das unter dem imposanten Namen „San Juan de la Frontera de los Chachapoyas“.

Der Amazonas war für die Spanier unbekanntes Terrain und von großer Bedeutung. Man konnte nur erahnen, welche Schätze sich hier verbargen, und genau deshalb wurde Chachapoyas auch errichtet: Die Kolonialherrscher brauchten eine geschützte Basis, von der aus sie zu ihren Expeditionen in die Umgebung aufbrechen konnten.

Doch über kurz oder lang mussten sich die Spanier geschlagen geben – zu ungastlich war die Umgebung, zu schwierig, hieraus Profit zu schlagen und kostbare Güter zurück nach Europa zu schicken. Auch ein Handel mit den Nachbarstädten Moyobamba oder Huallaga wollte nicht richtig in Schwung kommen und die Einwohner Chachapoyas flohen in Scharen, um der Herrschaft der Spanier zu entgehen. Das Dorf, mit all seinen architektonischen Schön- und Besonderheiten wie den Ziegeldächern oder den typischen schwarzen Balkonen, verlor an Bedeutung – und an Population.

Das alles sollte sich allerdings ändern, als 1843 der Richter Juan Crisostomo Nieto, zufälligerweise über die Kuelap Festung stolperte, die seit über 300 Jahren vergessen von der Welt den Naturgewalten ausgesetzt war. Doch wie es das Schicksal so wollte, wurde seine Entdeckung erst knappe 50 Jahre später veröffentlicht und schlug unter der damaligen Entdecker-Garde ein wie eine Bombe. Schon bald zog es renommierte Forscher wie die Archäologen Henry und Paule Reichlen in die Region, die hier eine Entdeckung nach der Anderen machten.
Damals bedeutete eine Expedition von der nächsten größeren Stadt Cajamarca nach Chochopayas noch eine mehrwöchige Reise auf den Rücken von Mulis und wackeligen Fahrten auf Flößen über den Maranon Fluss.
Deshalb erblühte Anfang des 20. Jahrhunderts das Leben aufs Neue in Chachapoyas – und auch, wenn der Tourismus immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielt, so kommen doch immer mehr wagemutige und naturbegeisterte Entdecker hier her, um auf den Pfaden von Nieto, Reichlen und Co. zu wandeln und den Zauber dieser Region in sich aufzunehmen.

Wo liegt Chachapoyas und was hat die Natur zu bieten?

Chachapoyas Natur

Noch bis vor wenigen Jahren galt Chachapoyas als sehr abgeschieden. Kaum jemand nahm die extrem schwierige Strecke auf sich, denn sie führte auf schmalen Wegen durch extreme Höhen und bei ungünstigen Wetterbedingungen machten Überschwemmungen und verschüttete Straßen ein Weiterkommen unmöglich. Das kann zwar heute auch noch passieren, aber die Straßen sind um einiges besser befestigt und so führen mittlerweile einige Wege in die nördlichen Städte an der peruanischen Küste.

Im abgelegenen Norden Perus, auf einer Höhe von 2.335 Metern über dem Meeresspiegel, liegt Chachapoyas mit seinen knapp 30.000 Einwohnern. Die Kleinstadt ist – natürlich neben ihrer kulturellen und historischen Bedeutung – vor allem bekannt für ihre wunderschönen Orchideen, den aromatischen Kaffee und Zuckerrohr.

Und das merkt man auch, wenn man durch die Gegend streift: hier wechseln sich üppige Bergwälder ab mit kleinen Feldern und Orchideengärten – und wenn das Wetter will, ist alles bedeckt von einer dicken Schicht aus Nebel.

Doch Chachapoyas lockt die Besucher nicht nur wegen seiner zahlreichen historischen Stätten an, auch Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Peru verfügt über eine der größten Vogel-Diversitäten weltweit. Über 1.800 verschiedene Arten – viele davon ausschließlich hier in Peru zu finden – bevölkern von den Küsten bis hoch in die Anden das Land. Und auch rund um Chachapoyas kann man Andenspechte, Andenschwalben und verschiedenste Ibisarten erspähen. Ein Grund, warum Chochopayas auch unter Ornithologen als ein Geheimtipp gilt und gerade der Community- oder Eco-Tourismus einen wahren Boom in der Gegend erlebt hat.

Wer auf seinen Streifzügen durch die Natur die Augen (und die Kameralinse) aufhält, kann in der Provinz allerdings noch viel mehr Lebewesen entdecken: von kunterbunten Schmetterlingen über kleinen (aber sehr scheuen) Äffchen bis hin zu den „bekannteren Gesichtern Perus“, den Lamas und Alpakas bevölkern überraschend viele Tiere die Region. Ein Traum für jeden Hobby-Fotografen!

Chachapoyas selbst befindet sich nicht, wie viele denken mögen, im tropischen Regenwald selbst. Vielmehr liegt es auf dem Berg und der Regenwald liegt dahinter im abflachenden Gebiet. Somit ist auch ein Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit zu bemerken: Von März bis Oktober ist es relativ trocken, während es von November bis ins Frühjahr zu starken Regenfällen kommen kann. Und auch, wenn die Natur dann die imposantesten Einblicke gewährt, mit mächtig geschwollenen Flüssen und üppig aus dem Boden schießenden Pflanzen überall, kann ein Besuch zur Regenzeit seine Risiken tragen. Überflutete Straßen oder gar Erdrutsche können ohne die richtige Ausrüstung dann zu richtigen Herausforderungen werden.

Wer waren die Chachapoyas und warum sind sie blond?

Um die ursprünglichen Bewohner der Region, den Chachapoyas, ranken sich zahlreiche Mysten und offene Fragen. Frühe Aufzeichnungen von spanischen Conquistadoren vermerken nämlich, dass die Chachapoyas nicht nur ein sehr kriegerisches und starkes Volk seien, sondern auch extrem hellhäutig waren. Ihre Haare sollen rot oder blond gewesen sein und manche hatten sogar Sommersprossen.

Bis vor Kurzem wurde von Anthropologen die Meinung vertreten, dass die Festung Kuelap, das bekannteste Bauwerk der Chachapoyas, aus dem 9. Jahrhundert stammte. Doch mit mittlerweile ausgereifteren Datierungsmethoden wie der Radiocarbon-Analyse lässt sich heute sagen, dass mit den Arbeiten für die Festung wahrscheinlich schon rund 400 n. Chr. begonnen wurde.

Doch das ist mittlerweile nur eine These unter vielen – wenn auch wahrscheinlich die wissenschaftlich fundierteste. Eine weitere Theorie des deutsch-peruanischen Forschers Peter Lerche besagt, dass die Chachapoyas womöglich sogar schon vor über 2000 Jahren in der heutigen Amazonas-Region ansässig gewesen sein müssen.

Und last, but not least machte vor einigen Jahren eine – für manche Personen – vollkommen abstruse Theorie Schlagzeilen. Der Autor und Kulturwissenschaftler Hans Giffhorn brachte vor zwei Jahren ein Buch auf den Markt, welches die Archäologen entweder aufhorchen oder aber auflachen ließ. Nach seiner Theorie sollen nämlich die Chachapoyas von Kelten abstammen, die 200 Jahre v. Chr. mit karthagischen Seeleuten und Söldnern von Mallorca über den Atlantik in Südamerika gelandet sein sollen.

Nun ist bekannt, dass Kolumbus tatsächlich nicht der Erste war, der Amerika entdeckte, sondern Wikinger aus Island schon lange vor ihm dort waren, aber die Theorie über eine keltische Überquerung des Atlantik halten viele Archäologen trotzdem für unwahrscheinlich.
Die Einwohner Karthagos sollen befürchtet haben, den Römern zum Opfer zu fallen und so soll sich eine größere Flotte zusammengetan haben, um einen besseren, friedlicheren Ort zum Leben zu finden. Sie sollen durch die Winde vor Westafrika Richtung Südamerika getrieben worden sein, wo sie im Mündungsgebiet des Amazonas landeten.

Seine These untermauert Giffhorn mit der Tatsache, dass es im nördlichen Amazonasgebiet rund um das Jahr Null eine plötzliche Kulturexplosion gegeben haben soll, die er mit der vermeintlichen Landung der Kathargesen begründet. Und auch andere Indizien sollen auf einen europäischen Ursprung der Chachapoyas schließen lassen, zum Beispiel die Form der Gebäude oder bestimmte Zeichnungen auf Wänden.

Der wahrscheinlich bekannteste und renommierteste deutsche Experte auf dem Gebiet der Chachapoyas, Kurt Koschmieder, glaubt nicht an diese, zugegeben recht weit hergeholte, These. Er hat selbst vor Ort jahrelang die Chachapoyas und die Überreste ihrer Kultur studiert und erforscht, und er vermutet ihre genaue Herkunft im niederen Amazonasgebiet. Laut ihm haben sich die Chachapoyas hauptsächlich von Kartoffeln, Mais, Bohnen und Früchten ernährt und große Herden von Lamas und Meerschweinchen – auch heute noch eine Delikatesse in Peru – ernährt.

Was allerdings belegt ist, ist der Niedergang der Chachapoyas, die einst so mächtig waren, dass die Inkas versuchten, sich mit ihnen zu verbünden. Doch die stolzen Krieger wollten mit den Inka nichts zu tun haben und lehnten ab – um dann 1475 von ihnen blutig unterworfen zu werden.
Das Volk der Chachapoyas, das zu seinen Hochzeiten etwa 500.000 Angehörige gehabt haben soll, wurde größtenteils brutal verschleppt und versklavt. Doch diejenigen, die noch rund um Chachapoyas lebten, verbündeten sich knapp 60 Jahre später wiederum mit den mittlerweile eingetroffenen Spaniern, und wie das für die Inka ausging, weiß man ja.

Doch auch der Zusammenschluss mit den Spaniern sollte den Nebelkriegern kein Glück bringen. Die eingeschleppten Krankheiten wie Pocken und Masern verbreiteten sich epidemieartig unter den Chachapoyas und nicht einmal 20 Jahre, nachdem sich die Spanier in der Amazonasregion niedergelassen hatten, war die Zahl der Krieger auf gerade einmal 90.000 Überlebende gesunken. Bald darauf sind sie fast komplett ausgestorben. Ihre imposanten Bauten und Städte gerieten schon bald in Vergessenheit und wurden von der Natur zurückerobert – so als hätte es sie niemals gegeben. Bis Richter Niente zufällig über die Kuelap Festung stolperte und den Chachapoyas zu Neuem, wenn auch etwas verspätetem Ruhm verhalf.

Allerdings trifft man auch heute noch auf Nachfahren der Chachapoyas. Natürlich hat sich mittlerweile viel frisches Blut mit in die Erblinien geschlichen, doch ihr distinktives Aussehen, hellhäutig mit roten oder blonden Haaren, hat sich durchsetzen können. Heute nennen sich die Nachfahren des einst so legendären Völkchens Gringuitos, und auch, wenn sie keine nennenswerten Zahlen mehr aufzuweisen haben, so sind sie doch sehr stolz auf ihr Volk, die alten Brauchtümer und vor allem die Traditionen, die sie auch heute noch hegen und pflegen.

Chachapoyas Stadt – präkolumbische und spanische Fusion

Schon wenn man einen Fuß in diese friedliche, kleine Stadt setzt, fühlt man sich irgendwie verzaubert. Es herrscht eine gelöste, entspannte Stimmung, die Bewohner sind freundlich und gelassen und die Architektur ist eine kunterbunte Mischung aus spanischen und peruanischen Einflüssen.
Natürlich ist es das Zentrum, die Altstadt, die die Besucher magisch anzieht. Die für Chachapoyas so typischen Häuschen mit Ziegelstein-Dächern und den niedlichen kleinen Balkonen machen die Altstadt zu einem beliebten Foto-Motiv.

Das Herz Chachapoyas schlägt am Plaza de Armas mit dem imposanten Brunnen in der Mitte. Hier sind die spanischen Einflüsse noch sehr deutlich zu sehen und man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, in einem der Cafés auf der Terrasse zu sitzen, und dem munteren Treiben zuzusehen. Hier gibt es nicht nur Dutzende kleine Läden, sondern auch viele Agenturen, über die man Trips zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung buchen kann.

Rund um den Platz herum liegen zahlreiche der historischen Attraktionen der Stadt wie die Kathedrale, das Bischofshaus oder auch das Rathaus mit der typischen Kolonialbauweise.
Und auch der Plazuela de la Independencia – der Platz der Unabhängigkeit – ist durchtränkt von der Geschichte dieser faszinierenden Stadt. Er wurde zu Ehren der Unabhängigkeitsarmee von Chachapoyas errichtet, die 1821 in einer blutigen Schlacht die königliche spanische Armee schlug.

Wer über Nacht bleiben möchte, hat die Auswahl zwischen verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten: von der komfortablen Lodge mit Blick auf die Anden und Außenpool bis hin zum einfachen Backpacker-Hostel, das ein Bett und Wifi bietet. Dadurch, dass die Touristen Chachapoyas noch nicht in Massen überrennen, müsste man nicht einmal im Voraus buchen, sondern kann sich vor Ort ein Hostel / Hotel auswählen, wenn man möchte.

Feste und Brauchtümer in Chachapoyas

Die Peruaner lieben es zu feiern und so ist es natürlich auch in Chachapoyas. Selbst wenn keines der „großen“ Feste (die oft religiösen Ursprungs sind) ansteht, ist es nicht ungewöhnlich, kunterbunte Prozessionen oder musikalische Darbietungen zu sehen. Und wenn auf der Straße getanzt wird, dann kann es schon mal vorkommen, dass man auch als Urlauber aufgefordert und plötzlich schwungvoll über die Straßen gewirbelt wird.

Am 6. Juni eines jeden Jahres wird das Fest der „Pampas de Higos Urco“ gefeiert. Das Schlachtfeld, auf dem die letzte Schlacht ausgetragen wurde, bevor General San Martin die Unabhängigkeit erklärte, kann auch heute noch besichtigt werden. Heute erinnern zahlreiche Umzüge, viel Musik, traditionelle Tanzdarbietungen und gutes Essen an die erfolgreich gewonnene Schlacht um die Unabhängigkeit. Die Feierlichkeiten beginnen meist schon am 1. Juni und dauern insgesamt eine Woche an.

Das Fiestas Patronales Virgin Asunta ist ein religiöses Fest, um die Stadtpatronin Jungfrau Asunta zu ehren. Und auch hier feiern die Bewohner Chachapoyas lange und fröhlich: Vom 1. August bis zum 15. August (Mariä Himmelfahrt) dauern die Festlichkeiten an, den Höhepunkt stellt der 14. August dar. Gleichzeitig findet auch das Fest des Zuckerrohrmostes statt, das Festival del Guarapo.
Im Zuge der Festlichkeiten wird eine Statue der Jungfrau von Kirche zu Kirche getragen, wo ein liebevoll geschmückter Altar für Virgin Asunta bereitsteht. Die Prozession wird begleitet von lauter Musik und Konfettiwerfenden Kindern, die später noch mit Süßigkeiten beschenkt werden.

Last, but not least wäre da noch Hatun Luya. Das Festival findet meist um den 13. September statt und ist ein traditionelles Fest mit zahlreichen folkloristischen Umzügen und kulinarischen Leckerbissen auf den Straßen.

Die Kuelap-Festung – ungelöstes Rätsel hoch in den Bergen

Festung Kuelap der Chachapoyas

Über zweihundert Jahre lang lag die Kuelap-Festung vergessen unter Schnee und Schutt begraben und niemand ahnte auch nur von ihrer Existenz. Bis eines Tages der in Chachapoyas ansässige Richter Don Juan Crisostomo Nieto mehr zufällig über die Überreste stolperte und eines der größten Rätsel Südamerikas an die Öffentlichkeit brachte. Und trotzdem beherbergt diese fast 600 Meter lange und 110 Meter breite Festung bis heute noch unzählige Geheimnisse, wie zum Beispiel um das „Tintenfass“, ein Gebäude mit bisher ungeklärtem Verwendungszweck. Doch dazu später mehr.

Die Festung konnte zu ihren Hochzeiten über 2000 Einwohner beherbergen, es konnte allerdings bis heute nicht eindeutig geklärt werden, ob die Chachapoyas immer hier lebten, oder sich nur in Notfällen wie Kriegen auf die knapp 3000 m hohe Festung zurückzogen.

Kuelap teilt sich auf drei verschiedene Ebenen aus, die sich insgesamt aus über 300 einzelnen Häusern. Auf der oberen Ebene sollen die Adligen oder Höhergestellten Stammesangehörigen gelebt haben. Die mittlere Ebene war für Krieger und ihre Familien vorgesehen und auf der niedrigsten Ebene lebte „das Fußvolk“. Dies wird aus den verschiedenen Verzierungen ersichtlich, die an die Wände der Häuser eingeritzt und gemalt wurden.

Es führen drei Eingänge in die Festung, allerdings sind diese so konstruiert, dass jeweils nur eine Person durch den schmalen und hohen Zugang reinkommen konnte. Der Ausgang war direkt gegenüber – praktisch, denn so konnten unerwünschte Eindringlinge direkt wieder rausverfrachtet werden.

Wenn man die – von der unteren bis zu oberen Ebene reichenden – über 20 Meter hohen Schutzwälle sieht, vermag man kaum zu glauben, wie diese Festung es geschafft hat, solange geheim zu bleiben. Insgesamt wurden für den Bau mehr Steine verwendet als für die Pyramiden, und das an einem der ungastlichsten und schwer zugänglichsten Orte der Welt.

Das wohl größte Mysterium von Kuelap stellt „El Tintero“ dar, das Tintenfass. Das sich von oben nach unten verjüngende Gebäude könnte für vieles gedient haben, doch niemand kann mit Sicherheit sagen, für was wirklich. Grausige Folterkammer oder Observatorium für Beobachtungen des Himmels – heute muss diese architektonische Kuriosität mit Holzpfählen und Gerüsten gestützt werden, um nicht in sich zusammenzufallen.

Will man heute von Chachapoyas nach Kuelap, hat man es um einiges leichter als noch vor fünf Jahren. Teile der Strecke sind asphaltiert und man kann sich für relativ kleines Geld ein Taxi oder Minibus mieten (die Haltestellen befinden sich ca. zwei Blocks vom Plaza de Armas in der Altstadt von Chachapoyas). Allerdings hört die Strecke etwa einen Kilometer vor der Festung auf, und den Rest muss man zu Fuß bewältigen. Und da der Weg etwas rumpelig ist, sollte man – wie eigentlich überall in diesem Gebiet – festes und bequemes Schuhwerk tragen.

Nachdem die peruanische Regierung die historische Bedeutung (und das touristische Potenzial) von Chachapoyas und vor allem der Kuelap Festung erkannt hat, ist übrigens der Bau einer Seilbahn zur Festung in Planung. Wann genau diese abgeschlossen sein wird, ist allerdings noch nicht bekannt.

Der Gocta Wasserfall – das Geheimnis der Chachapoyas

Gocta Wasserfall

Foto: JianPing Yan

Nur knapp 20 km außerhalb von Chachapoyas, inmitten eines Naturreservates, liegt der Gocta Wasserfall, der mit 771 m Fallhöhe zu einem der höchsten Wasserfälle weltweit gehört. Da allerdings Wasserfälle oft verschieden bewertet werden, kann man nicht genau sagen, auf welchem Platz er liegt. Manche sagen, er wäre der dritthöchste der Welt, Andere behaupten, er wäre auf einem moderaten 14. Platz. Was man allerdings mit Sicherheit über den Wasserfall behaupten kann, ist, dass er einem den Atem rauben kann.

Offiziell entdeckt wurde der Wasserfall erst „kürzlich“, nämlich 2002 und das von einem Deutschen. Stefan Ziemendorff, ein Entwicklungshelfer, erblickte die herabstürzenden Wassermassen bei einer Expedition in das Naturreservat, konnte allerdings erst vier Jahre später mit peruanischer Unterstützung zurückkehren, um ihn zu vermessen.

Den Nachfahren der Chachapoyas hingegen wäre es wahrscheinlich am liebsten gewesen, wenn der Gocta Wasserfall weiterhin unentdeckt geblieben wäre. Es ranken sich auch heute noch zahlreiche düstere Legenden um den Wasserfall und man wird ihn auf kaum einer von Einheimischen gefertigten Karte finden. Es heißt, der Wasserfall sei höchst gefährlich und jeder, der sich ihm nähere, spiele mit seinem Leben. Eine Legende zum Beispiel erzählt von einer im Wasserbecken lebenden Sirene, die die Lebewesen im Fluss beschütze und jeden Mann mit ihrem Gesang in ein nasses Grab führe. Wie viel man von den Legenden glauben möchte, hängt natürlich von dem eigenen Grad der Abergläubigkeit ab, aber man kommt nicht umhin zu bemerken, dass hier eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Der Wasserfall stürzt in zwei Stufen herab, und beide sind einen Besuch wert – allerdings nur unter Führung.

Der Wasserfall wurde nach dem gleichnamigen Dorf Gocta benannt, das in direkter Nähe liegt. Von Chachapoyas aus kann man mit einem Taxi innerhalb einer knappen halben Stunde im Naturreservat ankommen (bei schlechtem Wetter kann es natürlich etwas länger dauern, je nachdem, wie weit die Straßen von Regenfällen aufgeweicht sind). Allerdings sollte man bei einem Besuch am Gocta Wasserfall darauf verzichten, eine komplette Tour in Chachapoyas zu buchen. Stattdessen kann man mit dem Taxi das Dorf anfahren und sich dort anmelden (Kosten 10 Soles, ca. 3,5 US Dollar). Hier findet man auch einen ortskundigen Führer und die Möglichkeit, sich mit Proviant einzudecken. So kann man nicht nur den Ausflug zum Wasserfall genießen, sondern hat zudem noch die Sicherheit, das man persönlich etwas zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Einwohner getan zu haben. Community-Tourismus nennt sich das Konzept und hilft dabei, diese materiell arme aber historisch so reiche Gegend zumindest ein wenig zu unterstützen.

Um eine der beiden Stufen des Wasserfalls zu erklimmen, braucht es etwa zwei Stunden. Der Anstieg kann stellenweise rutschig, eng oder eine echte Herausforderung werden – ein Grund, warum man den Wasserfall nur dann alleine besichtigen darf, wenn man schriftlich bestätigt, über die Risiken aufgeklärt worden zu sein.

Die Sarkophage von Karajia – der nach Osten gerichtete Blick

Sarkophage von Karajia

Etwa 60 Kilometer nordöstlich von Chachapoyas liegt das kleine Dörfchen Karajia auf einem Gipfel und ca. 300 Meter darunter, mitten in einer zerklüfteten Felswand, stehen die sechs „weisen Männer“ in ihren majestätischen Sarkophagen. Wie sind sie dorthin gekommen? Wer waren sie? Und warum „blicken“ alle sechs Steinmenschen Richtung Osten?

Auch für die Sarkophage galt für eine lange Zeit: Wer mich nicht sieht, weiß auch nicht, dass ich da bin. Und so wussten zwar die Einwohner von den 6 Steinsarkophagen, aber der Rest der Welt nicht. Das änderte sich 1985, als der peruanische Archäologe Federico Kauffmann bei einer seiner Expeditionen die sechs 2,5 Meter hohen Sarkophage entdeckte. Die Steinfiguren stehen alle nebeneinander und schauen in die gleiche Richtung: Osten, da wo die Sonne aufgeht und viele Andenvölker glauben, dass dort Leben beginnt – auch das nach dem Tode.

Die Sarkophage wurden, nach wissenschaftlichen Untersuchungen, auf das Jahr 1460 datiert. Ursprünglich sollen hier 8 Figuren gestanden haben, allerdings sind zwei Erdbeben und den extremen klimatischen Bedingungen zum Opfer gefallen. Insgesamt gibt es noch zwei weitere Gruppen mit Sarkophagen in der Steilwand, die aus einer anderen Zeit stammen und etwas weniger aufwendig gestaltet sind.
Hergestellt wurden die weisen Männer aus einer Mischung aus Lehm, Stroh und Geröll. Die Bedeutungen der roten Verzierungen, die die weißen Figuren bedecken, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob und welche Bedeutung die geometrischen Muster tragen. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei den „Bewohnern“ der Sarkophage um hohe und verdiente Mitglieder der Chachapoyas handelte. Da einer der Sarkophage einen Sprung hat, konnten Forscher herausfinden, dass die Leiche im Inneren sitzend und in Stoffe eingewickelt platziert wurde. Im Inneren sollen zudem einige Grabbeigaben gefunden worden sein, wie Keramikgeschirr und Gold.

Die Sarkophage konnten die Jahrhunderte relativ unbeschädigt und ungeplündert überleben und das liegt natürlich auch an ihrer – ohne Spezialausrüstung – kaum erreichbare Lage. Es wird vermutet, dass früher ein Felssteg zu der Nische geführt haben muss, über die die Chachapoyas die Sarkophage hier platzieren konnten. Den sollen sie dann nach Beendigung der Arbeit Stück für Stück abgeschlagen haben, um so den Zugang zu vernichten. Grabplünderer hatten also so gut wie keine Chance, ganz abgesehen davon, dass sich kein Einheimischer jemals getraut hätte, sich mit den Toten anzulegen.

Die Sarkophage liegen in der Nähe von Luya und lassen sich am besten von Chachapoyas aus anfahren. Auch wenn die Strecke nur knappe 60 km beträgt, dauert die Fahrt auf den teils rumpeligen Straßen gute 2 – 3 Stunden. Aber dafür wird man nicht nur mit den faszinierenden weisen Männern belohnt, sondern hat auch einen atemberaubenden Blick über das gesamte Tal, welches sich einem zu Füßen wirft. Gerade an klaren Tagen kann man von hier aus einmalige Bildaufnahmen der noch so unberührten Natur hier oben machen.

Und wenn man schon mal hier ist, sollte man unbedingt noch einen Besuch in der Quiocta Höhle einplanen, eine alte Ritualstätte der Chachapoyas.

Die Quiocta Höhle – Gummistiefel empfehlenswert

Quasi direkt um die Ecke der Sarkophage von Karajia liegt die Quiocta Höhle, eigentlich ein riesiges weitverzweigtes Höhlensystem, das bis heute nur in minimalen Teilen erforscht wurde. Die Höhle befindet sich weitestgehend in ihrem ursprünglichen Zustand, das bedeutet meterhohe Stalaktiten und Stalagmiten, aber auch extrem feuchter Lehmboden.

Es wurden schon im Eingangsbereich der Höhle zahlreiche Anzeichen wie Töpferarbeiten und Knochen gefunden, die darauf schließen lassen, dass dieser Ort früher für Rituale genutzt wurde.
Doch mit dem Bekanntwerden der Höhle kamen natürlich auch die Grabräuber – meist aus dem Ausland – und plünderten, was das Zeug hielt. Schließlich griff die peruanische Regierung ein und ließ den Eingang mit einem Gitter verschließen.

Eingang Quiocta Hoehle

Foto: Nils Wanner

Quiocta Höhle

Foto: Nils Wanner

quiocta

Foto:ArtD3sign

Möchte man heute die Höhle besuchen, muss man einen von der Stadt lizenzierten Führer buchen – und wenn man schon einmal dabei ist, sich auch gleich mit einer Kopftaschenlampe ausrüsten, denn die Höhle ist kaum beleuchtet und so kann ein falscher Schritt sehr nass enden, wenn man in den Flusslauf plumpst. Auch Gummistiefel sind ein absolutes Muss für einen Besuch in der Höhle. Der Lehmboden kann extrem aufweichen, sodass sonst feuchte Füße garantiert wären.

Dafür herrscht in der Höhle eine ganz besondere Atmosphäre: da ein halbversunkener Schädel im Lehm, dort ein über zwei Meter hoher Stalagmit, man sollte auf jeden Fall die Kamera mit gutem Blitz einpacken, denn das ist fast ein bisschen wie aus einem alten Indiana Jones Film!

Die Kathedrale von Chachapoyas – Tradition & Moderne

Die ursprüngliche Kathedrale im traditionellen Kolonialstil von Chachapoyas wurde in den Siebziger Jahren fast komplett durch ein Erdbeben zerstört. An ihrer Stelle errichte man nun am Plaza de Armas mitten in Chachapoyas eine modernere Kathedrale. Und auch diese wurde erst vor wenigen Jahren erneut umgebaut und um zwei Türme erweitert, durch die die Kathedrale sich perfekt an die umgebenden Gebäude anpasst.

Jeden Tag besuchen Hunderte Gläubige die Kirche und sie dient nicht nur als ein Ort der religiösen Zusammenkunft, sondern auch der Gesellschaftlichen.
Im Inneren der Kirche zentriert sich alles rund um den imposanten Altar herum. Im Halbkreis dahinter erinnern Kunstwerke, die aus der zerstörten ersten Kathedrale gerettet werden konnten, an ihren Vorgänger.

Die Kirche – und Religion an sich – spielt eine bedeutende Rolle für das tägliche Leben in Chachapoyas. Hier wird nicht nur an Sonntagen der obligatorische Gottesdienst besucht, sondern man betet fast täglich in der Kirche. Besonders imposant sieht die Kirche übrigens bei Dunkelheit aus: Dann strahlen die beiden Türme von Innen und die Kathedrale wird zusätzlich auch von Außen bestrahlt. Einmalig schön.

Im Westflügel wird den Toten gedacht: Hier ruhen die Überreste von bedeutenden Bischöfen aus der Vergangenheit in Urnen – so auch die des Bischofs Octavio Ortiz Arrieta.

Arrieta wurde 1878 in Lima geboren und nach seiner Priesterweihung zog es ihn in das abgelegene Chachapoyas. Dort wurde er 1922 zum Bischof geweiht und sollte hier bis zu seinem Tode im Jahr 1958 sein Wirken entfalten können.
Arrieta war kein „typischer“ Bischof, der sich in einer luxuriösen Villa vom Volk abschottete und seine Priester die Arbeit erledigen ließ. Er war, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Mann des Volkes und liebte es, mit ihnen gemeinsam an ihrer Gemeinschaft zu arbeiten. Unter seiner Anleitung und durch seine Bemühungen wurden in Chachapoyas Schulen gegründet, um den Kindern Lesen und Schreiben – damals eine absolute Seltenheit und eigentlich nur den besser betuchten Einwohnern vorbehalten – beizubringen. Und so sehr, wie er „seine Leute“ verehrte, soviel Hochachtung genoss er selbst. Tatsächlich wurde sein Wirken als so wertvoll betrachtet, dass er posthum heiliggesprochen wurde. Auch seine Urne ruht heute im Westflügel der Kathedrale von Chachapoyas.

Der Pozo de Yanayacu – die Quelle der Liebe

Chachapoyas hatte schon immer mit stark schwankenden und teilweise sehr exPozo de Yanayacu Chachapoyastremen Wetterbedingungen zu kämpfen. Starke Regenfälle und dichter Schnee wechselten sich ab mit Zeiten großer Dürre, unter denen die Landwirtschaft – vor allem der Zuckerrohranbau – litt.
In einer solchen Trockenperiode war es, als der zweite Erzbischof von Peru, Toribio de Mogrovejo, Chachapoyas besuchte. Und hier beginnt die Legende: De Mogrovejo soll mit seinem Wanderstab einen Felsen etwa einen Kilometer vom Plaza de Armas entfernt, berührt haben. Und genau in diesem Augenblick sprudelte aus dem Felsen Wasser hervor und rettete die Bewohner Chachapoyas vor der Dürre.

Zwei Jahrhunderte später wollten wohlhabende Einwohner der Stadt dem „Wunder von Yanayacu“ gedenken und ließen über die Quelle eine Steingrotte mit einem kleinen Vordach erbauen, die man auch heute noch besichtigen kann.
Und wie so oft bei solchen Quellen mystischen Ursprungs, werden natürlich auch dem Wasser aus dem Quell der Liebe, heilende Kräfte zugesprochen. Es soll nicht nur die Lebenserwartung steigern, sondern auch bei allerlei körperlichen Gebrechen helfen. Und, als kleines Extra für die Damenwelt, soll das Wasser die Kraft besitzen, die Schönheit der Frau „zu fesseln“ und für immer zu bewahren.
Eine andere Legende besagt, dass man keinen Stein vom Brunnen entfernen darf. So soll 1936 ein Schuldirektor einen der Steine gestohlen haben, worauf der Brunnen von einem auf den anderen Tag vollkommen vertrocknet gewesen sein soll. Erst als die Dorfbewohner seinen Diebstahl bemerkten und den Stein gut versteckt in einem seiner Klassenzimmer entdeckten, wurde er unter den Argusaugen der Einheimischen wieder an seinen angestammten Platz gebracht.
Und als die Einwohner Chachapoyas im nächsten Morgengrauen zum Brunnen liefen, sprudelte das Wasser in seiner vollen Pracht.

Die Kapelle der Jungfrau Asunta

Die Stadtpatronin von Chachapoyas, die Jungfrau Asunta, war früher unter dem Namen „Virgen de la Asuncion“, also „Jungfrau von der Himmelfahrt“ bekannt. Und auch hier vermischen sich – wie so oft in der peruanischen Kultur – Geschichte mit Legende.
So soll ein reicher Peruaner im Besitz von einem Gemälde der Jungfrau gewesen sein, weigerte sich aber, dieses den örtlichen Geistlichen zu überlassen. Doch eines Nachts soll ihm dann im Traum die Jungfrau erschienen sein und so rannte er am nächsten Morgen zur Kirche und beauftragte sie mit dem Bau einer neuen Kapelle in den Hügeln von Luya Orco. Der Geistliche, erstaunt zwar, doch überzeugt von einem Wunder, ließ sofort mit dem Bau beginnen und es heißt, während der kompletten Bauzeit sei aus den Hügeln das Läuten von Glocken zu hören gewesen.

Heute gehört die Kapelle der Jungfrau Asunta zu einem Altenheim, kann aber trotzdem natürlich besucht werden. Die Statue der Jungfrau ist äußerst lebendig gestaltet und es gibt im Nebenraum der Kapelle einen eigenen Raum für all ihre verschiedenen Kostüme und ihren sehr kostbaren Schmuck. Und die Jungfrau ist besser ausgestattet als so manche Fashionista: Über 100 verschiedene Kostüme werden der Statue zu bestimmten Anlässen angezogen.

Jedes Jahr vom 1. – 15. August wird das Fest der Heiligen Jungfrau gefeiert. Und natürlich bekommt die Statue dann ihre besten Kleider und den kostbarsten und außergewöhnlichsten Schmuck umgehangen und wird mit einer feierlichen Prozession durch die Straßen getragen. Jede Kirche Chachapoyas wird besucht, und sei es eine noch so kleine Kapelle, und auf dem Weg werfen Kinder mit buntem Konfetti, Tanztruppen bieten ihre folkloristischen Tanzeinlagen und insgesamt herrscht eine sehr fröhliche Stimmung.

Die Kirchen selbst bauen zu Asuntas Ehren einen speziellen Altar für sie in der Kirche auf, der dann von einem Geistlichen gesegnet wird. Das Fest der Jungfrau Asunta wird übrigens in vielen Teilen Perus gefeiert. In Culco gehört es seit 2015 sogar offiziell zum kulturellen Erbe Perus.

El Obispado – Das Geburtshaus von de Mendoza

Jede Stadt – und selbst, wenn sie so klein und abgeschieden ist wie Chachapoyas – hat ihre Einwohner, auf die sie besonders stolz ist. Und so ist es auch mit Toribio Rodriguez de Mendoza, der im Jahr 1750 in diesem Haus geboren wurde. Heute fungiert der Bau als Bischofshaus der Diözese von Chachapoyas, man kann es tagsüber besichtigen.

Das Haus ist in dem typischen Kolonialstil gebaut, in dem sich auch die Einflüsse der Chachapoyas immer noch wiederfinden. Heute kann man in seinem Inneren sich in liebevoller Handarbeit hergestellte antike Möbel finden, Erinnerungsstücke an die bedeutendsten Mönche Chachapoyas sowie andere Kostbarkeiten aus der Vergangenheit zu sehen. Es ist so etwas wie ein winzigkleines Museum, reicht aber durchaus, um einen in die Zeit zurückzuversetzen.

Doch wer war dieser Toribio Rodriguez de Mendoza überhaupt? Er gilt auch heute noch als eine der wichtigsten Personen in Perus Kampf um die Unabhängigkeit im Jahr 1822. Als geweihter Priester, Professor der Theologie und Philosophie und auch als Anwalt schaffte es de Mendoza, sich sowohl in die wissenschaftliche als auch in die politische Elite zu katapultieren.

Auch wenn es schwierig erscheint, die Geisteswissenschaften und allen voran die Religion mit den Naturwissenschaften in Einklang zu bringen, so war es de Mendoza immer ein Anliegen, die Bildung in Peru zu fördern und die Leidenschaft für die Wissenschaften anzuspornen. Seine Bemühungen wurden damit belohnt, als er zum Rektor der Universidad Mayor de San Marcos ernannt wurde.

Doch damit nicht genug: De Mendoza war zudem Mitglied im ersten peruanischen Kongress und arbeitete aktiv an der Ausarbeitung der Verfassung des Landes mit, nachdem der Kampf um die Unabhängigkeit Perus gewonnen war.

La Casona Monsante

Casona Monsante

Möchte man ein wirkliches Gefühl für die Kolonialbauweise der ursprünglichen Häuser Chachapoyas bekommen, dann sollte man unbedingt dem Casona Monsante einen Besuch abstatten – oder sogar eine Nacht hier verbringen, denn heute fungiert das Haus als ein schnuckeliges Hostel.

Früher wurde in den luftigen Hallen hier Tabak getrocknet, heute sind die Räume mit exquisiten Antiquitäten ausgestattet und bieten großzügig Platz, um sich von einem Tag in den Bergen zu erholen. Die Zimmer verfügen über hohe Decken und riesige Badezimmer mit Heißwasserversorgung rund um die Uhr, man hat (zumindest wenn man nah genug am Router ist) relativ stabiles Wi-Fi und Frühstücken kann man hier natürlich auch.

Das Casona Monsante liegt in einer Fußgängerzone, nur wenige Minuten vom Plaza de Armas entfernt. Und selbst, wenn man vorher nicht reserviert hat, ist es hier meist möglich, auch spontan ein Zimmer zu buchen, das Hostel ist – außer zu den Festivitäten in der Stadt – nämlich nur selten komplett ausgebucht.

Eine Besonderheit sind übrigens die Orchideen, die hier gezüchtet werden. In dem pittoresken Innenhof kann man sich an den bunten Blumen erfreuen und nach einem anstrengenden Tag ausruhen.

Videos Chachapoya

Weiterführende Links

Municipalidad

© Ein Projekt der Tele-MAP S.A.C.