Machu Picchu – Die Stadt der Inka

Auf einer Bergspitze, mitten in den Anden, 2360 Meter hoch liegt die antike Stadt Machu Picchu. Ihr Anblick ist beeindruckend und überwältigend. Warum wurde diese Stadt erbaut? Wer hat sie erbaut und warum gerade an diesem Platz?

Auf dem ersten Blick ist zu sehen das diese Stadt nicht als Festung erbaut wurde. Es fehlen die Schutzmauern. In der Stadt befinden sich Brunnen und kleine Wasserbecken, Tempel und aus Granit erstellte Altare.

Wie konnte ein Volk dem das Handwerk der Eisenbearbeitung fehlte, dass das Rad nicht kannte, solch ein Meisterwerk erschaffen?

Wozu diente Machu Picchu und wer waren die Bewohner von Machu Picchu? Eine Analyse von Knochenfunden, neue Erkenntnisse in der Baukunst der Inkas und die Geschichten ihrer mumifizierten Könige geben die Lösung zu einem der größten Geheimnisse der Inkas.

Hiram Bingham am Basislager Machu Picchu

Hiram Bingham am Basislager

Die Entdeckung von Machu Picchu

Die Anden in Peru. Allein der Anblick dieses Gebirges lässt den Atem stocken. Doch im Jahr 1911 entdeckte der Hawaiianer Hiram Bingham auf einem ihrer Gipfel etwas noch Spektakuläreres als alles, was er zuvor gesehen hatte: die Ruinen von Machu Picchu, seitdem als verlorene Stadt der Inka bekannt. Bis heute ist diese Inka-Stätte von vielen Mysterien umgeben; noch immer ist sie historisch und archäologisch nicht vollständig erschlossen. Doch als Machu Picchu 1911 von Hiram Bingham III. entdeckt wurde, war es ein noch viel rätselhafterer Fund. Niemand konnte ahnen, dass die damals überwucherten Ruinen zu einer der bekanntesten Attraktionen in Peru und schließlich zu einem der neuen sieben Weltwunder werden würden.

Lesen Sie mehr über die abenteuerliche Entdeckung Machu Picchus und die Geschichte des Menschen, welche vor über hundert Jahren den Fund seines Leben und die
Inka Stadt der wissenschaftlichen Welt bekannt machte.

Hohe Erwartungen

Am Morgen des 24. Juli 1911 krochen drei Männer auf Händen und Knien einen steilen und rutschigen Berghang mitten in Peru hoch. Initiator des Trecks war ein 35-jähriger Junior Professor für lateinamerikanische Geschichte an der damals schon renommierten Yale-Universität namens Hiram Bingham.

Hiram Bingham am Basislager Machu Picchu

Hiram Bingham am Basislager

Einige Tage zuvor war der kleine Trupp vom Expeditionscamp am Urubamba-Fluss aufgebrochen. Gemeinsam mit seinen zwei peruanischen Begleitern war Bingham auf der Suche nach einer geheimnisvollen Ruinenstadt mit dem Namen Machu Picchu, „alter Berg“ in der Sprache der Inka.

Er folgte dabei mehr als nur einem Instinkt. Bereits 1909 war Bingham im Zuge einer Expedition in der peruanischen Stadt Cuzco gewesen – vor allem auf der Suche nach der letzten „Hauptstadt“ der Inkas, ein bis dahin unauffindbarer Mythos.
Im Februar 1909, einem der feuchtesten Monate in Peru, hatte Bingham die Ruinen von Choquequirao besucht. Nach damaligem Wissensstand hielten Archäologen Choquequirao für den sagenumwobenen letzte Rückzugsort der Inka. Bingham jedoch konnte dieser Einschätzung nach einem eingehenden Besuch nicht zustimmen – zu klein und wenig umfänglich schien ihm die Anlage zu sein (eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte). Diese Überzeugung motivierte den Forscher, bald darauf nochmals nach Peru zurückzukehren, um auf eigene Faust nach der legendären Inka-Stadt zu suchen.

Machu Picchu Choquequirao

Choquequirao

1909 war Bingham in Cuzco auch auf den dortigen Universitätsdirektor mit dem verblüffend deutsch klingenden Namen  Albert A. Giesecke gestoßen. Gieseckes Eltern waren tatsächlich deutsche Immigranten – allerdings in den USA. Er selbst war als junger Wissenschaftler aus Philadelphia nach Peru gekommen und hatte mit 27 Jahren begonnen, die verstaubte Universität von Cuzco zu einem lebendigen akademische Zentrum zu machen. Dabei öffnete der Akademiker nicht nur den Lehrbetrieb für Frauen, sondern wurde immer mehr zu einem intimen Kenner der Gegend und ebenso der traditionellen Quechua-Sprache.

Ob Bingham und Giesecke bereits 1909 persönlich aufeinander trafen, ist nicht ganz geklärt. Sicher ist aber, dass sie einen lebhaften Briefwechsel zu ihren beiderseitigen Vermutungen weitere Inka Stätten in Peru betreffend unterhielten.

Albert A. Giesecke Machu Picchu

Albert A. Giesecke

Anfang 1911 wurde Giesecke von seinem Freund Braulio Polo de la Borda zu einem Besuch auf dessen Hacienca in Echarate eingeladen, um die Kakao, Koka und Kaffee Plantagen zu besichtigen. Die Reise dauerte vier Tage lang und führte die beiden durch den  tropischen Teil des Urubamba-Tals mit seinen vielen Inka-Ruinen. Es war der Höhepunkt der Regensaison. Die Umgebung war üppig, aber oft auch unwegbar und ihre Durchwanderung eine körperliche Herausforderung. Dennoch war Gieseckes Neugier mehr als geweckt.

Bei einer Pause nähe einer Hütte in Mandor Pampa befragte Braulio Polo deshalb den Quechua sprechenden Bewohner Melchor Arteaga nach der Existenz weiterer Ruinen in der Umgebung. Arteaga beschrieb ihm daraufhin eine große Anzahl an verfallenen Steinbauten hoch oberhalb des Canyons auf der anderen Seite des Flusses. Er selbst hatte dort Land kultiviert und es an andere Farmer verpachtet. Polo und Giesecke überlegten lange, entschlossen sich dann aber angesichts des nassen Wetters gegen einen Ritt hinauf. Stattdessen setzten sie ihre Reise zur Hacienda fort – bei trockenerem Wetter wären sie sonst vielleicht die Entdecker von  Machu Picchu geworden.

Als Bingham einige Monate später erneut in Cuzco eintraf, diesmal als Kopf eines Acht-Mann-Forscherteams, erzählte Giesecke ihm von Arteagas Augenzeugenbericht. Bingham beschloss augenblicklich, den Farmer in Mandor Pampa aufzusuchen.

Hiram Bingham und Team vom Machu Picchu

Bingham mit drei Mitgliedern seines Teams

Dazu muss man wissen: Diese neue Reise wurde von zwei Institutionen gesponsort, seiner eigenen Yale Universität – zu deren Ehren hieß sie auch offiziell die „Yale Peruvian Expedition“ – sowie der National Geographic Society . Nicht nur hatte Bingham die Besteigung und Kartierung des Mount Coropuna versprechen müssen, welcher bis dato als höchster Berg Südamerikas galt, um an das Resegeld zu kommen. Er brach auch mit dem expliziten Ziel auf, die „letzte Hauptstadt der Inka“ zu finden: Vilcabamba, jenen verzweifelten Rückzugsort, an dem sich die Inka in der Mitte des 15. Jahrhunderts vor den spanischen Eroberern verschanzt hatten.

Bingham wollte mit spektakulären Funden zurückkehren, um seine Mäzene zufrieden zustellen und sein Team aus Botanikern, Archäologen und Kartographen zu rechtfertigen – denn Binghams interdisziplinärer Ansatz, heute akademisch selbstverständlich, war für die damalige Zeit höchst modern und experimentell. Auch die Fotofirma Kodak war als Sponsor mit an Bord; Bingham hatte die für die damalige Zeit modernste Fotoausrüstung dabei, die uns die ersten, heute noch erhaltenen Bilder von Machu Picchu geschenkt hat.

Kodak Kamera von 1911

Auf dem neuesten Stand der Technik

Auf dem neuesten Stand der Technik

„Es schien wie ein unglaublicher Traum“

In Cuzco angekommen stattete Bingham sein Team tagelang mit Maultieren, Zubehör und Proviant aus, bevor sie sich auf den alten Inka-Pfaden in das Urubambatal aufmachten. Mehr als 6.000 Kilometer durchzog die damals „Nord-Süd – Verbindung“ genannte Straße das Inkareich. Damit war sie die längste Straße der damaligen Welt.

Drei Tage nach ihrem Aufbruch erreicht das Team Mandor Pampa.

Von hier aus beschloss Bingham, den beschwerlichen Weg bis zu den Ruinen auf der Bergspitze in etwa 2.300 Metern Höhe alleine zurück zu legen. Er ließ seine Mannschaft im Camp und nahm nur den mit einem peruanischen Sol entlohnten Arteaga mit, der ihm Tags zuvor detailliert von Machu Picchu und Wayna Picchu berichtet hatte. Außerdem dabei war der von der Regierung als Quechua-Übersetzer zur Seite gestellte Sergeant Carrasco.

Die drei hangelten sich über die Holzstege, die den Rio Urubamba durchquerten und machten sich auf den schlammigen Aufstieg. Kurz vor Erreichen des Gipfels überließ Arteaga seinen Platz einem Bauernjungen, Sohn eines von zwei Farmern, die genau unterhalb der Ruinen anpflanzten.

Es war dieser bis heute ohne Namen gebliebene Bauernjunge, der Bingham sicher ans Ziel führte. Als erstes fielen Bingham die kunstvoll entlang der Steigung gemauerten Terrassen auf: „Ein völlig unerwarteter Anblick, diese Folge wunderschön konstruierter Steinterrassen, vielleicht an die Hundert.“ Sie wanderte eine der Terrassenstufen entlang. „Plötzlich sah ich mich den Wänden von Hausruinen gegenüber, Beispielen feinster Inka-Steinarbeiten, sorgfältig geschnitten und exquisit zusammengefügt.“

Bingham war überwältigt. Vor ihm lag eine überwucherte, aber klar in ihren ganzen Ausmaßen erkennbare Inka-Stadt: Machu Picchu.

Ruinen Machu Picchu im Jahr 1911

Machu Picchu Überblick 1911

Planvoll angelegte Terrassen führten zu einem Plateau mit einer Vielfalt an Steinstrukturen, die offensichtlich nach bestimmten architektonischen Prinzipien angeordnet waren. Bingham war auf eine Inka-Geisterstadt gestoßen, die von der Außenwelt vierhundert Jahre lang vollständig abgeschnitten war (später sollte sich herausstellen, dass nicht mal die spanischen Eroberer bis zu ihr vorgedrungen waren). Bingham schrieb später über diesen Moment „Es schien wie ein unglaublicher Traum. Was konnte dieser Ort bloß sein?“ Zunächst glaubt der Entdecker tatsächlich, auf jenes Vilcabamba gestoßen zu sein, dass er später tatsächlich an anderer Stelle unter dem neuen Namen „Espiritu Pampa“ nochmals selbst entdecken wird, ohne sich der Bedeutung seines zweiten Fundes voll bewusst zu werden.

Machu Picchu 1911

Ruinen Machu Picchu im Jahr 1911

Bingham begann, die Ruinen zu durchsteigen und erste Fotos zu machen. Fünf Stunden lang erwanderte er sich die verfallenen Gebäude und Monumente von Machu Picchu, während seine beiden Begleiter auf ihn warteten.

Hiram Binghams Begleiter

Binghams Begleiter

Am Schluss seiner ersten Exploration fand er auf einem der Steine einen eingemeißelten Namen und ein Datum: “Lizarraga 1902”. Am nächsten Tag sollte er von Arteaga erfahren, dass es sich dabei um den Namen eines anderen Bauern handelte: Agustín Lizarrága, der nahe der nicht weit entfernten San Miguel Brücke wohnte. Lizarrága hatte den Machu Picchu bereits zehn Jahre zuvor entdeckt und vor allem zum Kartoffelanbau landwirtschaftlich zu nutzen begonnen.

Am Tag darauf kehrte Bingham mit seinem Team nach Machu Picchu zurück, beseitigte einen Großteil des Gestrüpps, ließ eine erste, erstaunlich detaillierte und präzise Karte erstellen und fotografierte die Ruinen von Machu Picchu extensiv.

Hiram Bingham mit Helfer

Handkoloriertes Foto von Bingham und einem lokalen, peruanischen Helfer in Machu Picchu (1911)

Insgesamt unternahm Bingham in den kommenden Jahren noch zwei weitere Expeditionen nach Machu Picchu, eine in 1912, die dritte 1915. Auch diese wurden von der Universität Yale und der National Geographic Society finanziert.

Diebstahl oder Leihgabe?

Diese monitäre Abhängigkeit führte allerdings auch dazu, dass Bingham Tausende von Artifakten aus Machu Picchu zurück nach Yale verschiffte, zu Händen des Peabody Museum of Natural History – nicht zuletzt, um seine Sponsoren zufrieden zu stellen. In den Augen vieler Peruaner kam dies einer Plünderung gleich.

Dabei war Bingham ursprünglich unzufrieden mit seiner Ausbeute an gefundenen Objekten gewesen. Jahrelang fragte Bingham sich, ob er mit Machu Picchu tatsächlich die verlorene Inka Hauptstadt in Peru gefunden hatte. Was ihn dabei aber besonders erstaunte, waren die relativ wenigen und vor allem so gut wie leeren Grabstätten in Machu Picchu.

Grab Skelett Machu Picchu

Binghams Team mit einem frisch gefundenen Skelett

„Eine sorgfältige Zählung der in Höhlen und Gräbern gefundenen Skelette und Knochen ergab 175 Individuen.“ dokumentierte er. „150 davon gehören zu Frauen, eine außergewöhnlich hoher Anteil, der auf Machu Picchu als eine Zufluchtsstätte für die ‚Auserwählten Jungfrauen der Sonne‘ schließen lässt.“

Machu Picchu - Die

„Jungfrauen der Sonne“ Illustration von Felipe Guaman Poma (1615)

Bei einer ochmaligen Laboranalyse der erhaltenen Kochen stellte sich allerdings in den vergangenen Jahren heraus, dass es sich bei den Knochenresten keineswegs um weibliche Skelette handelte. Die Inka waren einfach nur klein und drahtig gebaut; und der Knochenspezialist in Binghams Team hatte die viel schwereren Knochen der Europäer als Bewertungsmaßstab herangezogen.

Ebenso rätselhaft war es für Bingham, dass sie keinerlei Silber oder Gold-Objekte in den Ruinen von Machu Picchu fanden; lediglich Gegenstände aus Bronze und anderen Metallen, außerdem aus Holz, Stein und Ton. Für Bingham war die damals einzige logische Erklärung, dass vielleicht ein geordneter Rückzug aus der Stadt stattgefunden haben könnte, unter Mitnahme aller wertvollen Güter. Insgesamt verzeichnete der Forscher 521 Keramiken und 220 Metallobjekte.

Keramiken aus Machu Picchu

Keramiken aus Machu Picchu

Der offizielle, bereits 1916 angefertigte Regierungsbericht protokolliert den Abtransport von 74 Boxen aus Machu Picchu durch Binghams Team. Vermerkt sind Knochen, Mumien, Keramik, Stoffe, Metall- und Holzobjekte, aber keine Gold- oder Silbersachen. Bingham ließ diese nach Yale verschiffen, zur Untersuchung und folgenden Ausstellung.

An und für sich war diese Entnahme rechtens, genehmigt vom damaligen peruanischen Präsidenten Augusto Leguia. Bereits 1917 aber begann Peru Objekte von Yale zurückzufordern – denn Bingham habe behauptet, nach erfolgter Analyse gleich zurückschicken zu wollen. Es entstand ein erhaltener, reger Briefwechsel, in dem Yale zunächst Ausflüchte vorbrachte. Später dann wurde Verweigerung grundsätzlich. Unter Berufung auf den Civil Code von 1852 bestritt Yale schlicht und einfach, zur Herausgabe verpflichtet zu sein.

Auch die neuere Regierung in Peru stellt sich auf den Standpunkt, dass diese Einwilligung entweder an sich schon illegal oder aber an Bedingungen geknüpft war, die verschwiegen und nicht eingehalten wurden. David Ugarte, der Direktor des National Culture Institute in Peru, behauptet, es habe sich lediglich um eine Leihgabe gehandelt. Nachdem Richard Levin, Yale’s Präsident, sich Anfang 2000 mit einer Klageandrohung durch Peru konfrontiert sah, stimmt die Universität einer Rückgabe der Objekte aus Machu Picchu endlich zu. Allerdings behauptet sie auch, bereits im Jahr 1922 Artefakte zurückgegeben und außerdem nie Mumien oder Goldobjekte besessen zu haben. Die Universität unterstrich außerdem, dass ein Großteil der jährlichen Touristen zu ihrem Besuch durch die überall in den USA ausgestellten Objekte aus Machu Picchu inspiriert worden wären.

Insgesamt kehrten 2011 und 2012 schlussendlich 46,635 Objekte nach Peru zurück – allerdings waren nur 360 davon von der Universität als „Museumsqualität“ klassifiziert.

Endlich berühmt

National Geographic Magazin Machu Picchu Peru

In den 1920ern und 30ern wurde Machu Picchu und damit Peru als Reiseland zum Kult. Artikel und Bücher erschienen reihenweise, die sich mit der „Verlorenen Stadt“ beschäftigten. Mythen und Legenden entstanden; Filme wurden gedreht.

Die Geheimnisse der Inkas

Filmposter: Die Geheimnisse der Inkas

Am erfolgreichsten was Binghams eigenes Buch „The Lost City of the Incas“ („Die verlorene Stadt der Inkas“), das er erst 1948 schrieb und das heute noch erhältlich und sehr lesenswert ist.

Die verlorene Stadt der Inkas

1948 reist Hiram Bingham zum letzten Mal nach Machu Picchu und weiht die nach ihm benannte Straße ein, welche zukünftig Touristen zu der alten Inka – Stadt bringen sollte. Auch der täglich zwischen Cusco und Machu Picchu verkehrende Luxuszug des Unternehmens „Tour Operators Orient Express“ wurde nach Hiram Bingham benannt. Wirklich unsterblich ist der 1956 verstorbene Entdecker dann nochmals auf cinematischen Umwegen geworden: In den 1980er Jahren dienen er und seine Abenteuer den Produzenten George Lucas und Steven Spielberg als Inspiration für ihren Kinohelden Indianer Jones.

Der Mann aus Hawaii hat also definitiv Spuren in Machu Picchu hinterlassen – genauso wie auch die Inka, die ihn während seines Lebens so sehr faszinierten.

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Bingham: Lebenslauf eines Entdeckers

Hiram Bingham: Lebenslauf eines Entdeckers

Hiram Bingham wurde 1875 in der hawaiianischen Hauptstadt Honululu als Sohn von Missionaren geboren. Schon früh trug er das Herz eines Entdeckers in sich; seine Eltern jedoch wünschten sich, dass er die religiöse Familientradition fortführen würde. In seiner Kindheit lehnte er sich dagegen auf: rannte mit 12 zuhause weg, um sich als blinder Passagier einzuschiffen, nur um schon im Hafen abgefangen zu werden, wollte Football spielen und den Globus erkunden. Aber auch die Bücher waren seine Welt, solche, die ihn in die Welt der Abenteurer und Entdecker entführten. Mit seinem Vater fuhr er in die Berge und lernte sehr gut klettern, eine Fähigkeit, die ihm beim Anstieg zum Machu Picchu noch von entscheidendem Nutzen sein würde.

Nach dem Schulabschluss unterwirft sich Bingham zunächst dem elterlichen Wunsch und studiert Theologie in der amerikanischen Eliteuniversität Yale.


Hiram Bingham III

Hiram Bingham III um 1900, gezeichnet von by Raymond Crosby, einem Kommilitonen in Yale

1898 heiratet er, sehr zum Missvergnügen ihrer Eltern, Alfreda Mitchell, eine Erbin der wohlhabenen „Tiffany“-Dynastie. Sie beziehen ein Anwesen in der Prospect Street in Hartford und bekommen im Verlauf der Ehe sieben Söhne. Alfreda wird in den kommenden Jahren nicht nur seine Studiengebühren, sondern auch einen Großteil seiner Expeditionen bezahlen.

Hiram Binghams Familie

Hiram Bingham, 198 in New Haven mit seinen Eltern, seiner Ehefrau Alfreda und vier seiner später sieben Söhnen

Doch das Leben als Akademiker, Ehemann und Vater reicht dem Mann aus Hawaii nicht aus. Trotz fehlender akademischer Referenzen auf diesem Gebiet will Bingham als Historiker Karriere machen. Also macht er in Harvard noch einen Doktor in lateinamerikanischer Geschichte – ein zu jener Zeit erstaunlicherweise völlig abwegiges Spezialgebiet. Aus diesem Grund gibt es für ihn nach Studienabschluss auch keine Stelle. Es sind schlicht nicht genug Professuren eingerichtet; aus damaliger Sicht war dieser Bereich der Geschichtsschreibung einfach nicht interessant genug, um einen eigenen Lehrstuhl zu rechtfertigen.

Bingham sieht nur einen Ausweg: Er muss selbst nach Lateinamerika reisen und dort eine publikationswürdige, ja spektakuläre Entdeckung machen, die eine Finanzierung seiner Arbeit rechtfertigt. Zeitzeugen sagen außerdem, er habe schon damals den Drang nach akademischen Ruhm gehabt.

1906 folgt er zunächst den Spuren Simon Bolivars durch Venezuela und Kolumbien.
Als Bingham im Jahr 1909 für die Universität Yale an einem Kongress in Chile teilnimmt, nutzt er seine Chance und hängte eine Forschungsreise über 6 Monate hintenan.

Südamerika, als Bingham es bereiste

Südamerika, als Bingham es bereiste

Sein Weg führte Bingham damals zum ersten Mal auch nach Peru – als Teilnehmer einer lokalen Expedition auf der Such nach unentdeckten Ruinen der Inka. Nach seiner Rückkehr erforscht er intensiv die Geschichte der Inka auf der Suche nach neuen historischen Spuren und steht im regen Briefkontakt mit dem Rektor der Universität von Cuzco. Vor allem die Geschichte des sagenumwobenen Goldes der Inka sowie die letzte Rückzugsstätte der Inka, Vilcabamba, fesseln Bingham.

1910 entscheidet er sich zu seiner nächsten großen Reise. In die Personalenzyklopädie „Who´s Who“ ließ er sich als „Entdecker“ eintragen – und behält diesen Eintrag auch sein Leben lang bei, selbst als er als einer der jüngsten jemals ernannten Professoren in Yale (sowie Harvard und Princeton) südamerikanische Geschichte lehrte, später Senator und dann selbstständiger Unternehmer wurde.

1911 bricht er endlich zu seiner lang ersehnten eigenen Forschungsreise auf, die zu der Entdeckung von Machu Picchu führen sollte. Die detaillierte Erforschung der Inkastätte überließ er, trotz seiner wiederkehrenden Reisen in die Anden, allerdings anderen. Er sah sich selbst als Entdecker – nicht als Archäologe.

Doch auch seine Laufbahn als Abenteurer ging mit seinem Besuch in den Anden 1915 dem Ende zu. Bingham hatte schon länger eine Leidenschaft für die Luftfahrt entwickelt. Als die USA 1917 in den 1. Weltkrieg eintraten, meldete Bingham sich trotz seines für den Kampfeinsatz fortgeschrittenen Alters bei der Luftwaffe der U.S.Army als Pilot. Er stieg bis zum Lieutenant- Colonel und Kommandant des U.S. Expeditionary Force Piloten-Trainingscamps in Frankreich auf.

Hiram Bingham im Flugzeug

Hiram Bingham im Flugzeug

Bingham posiert auf dem Flügel seiner Maschine

Nach dem Krieg wandte Bingham sich der Politik zu und brachte es bis zum Senator, wurde allerdings 1929 vom Senat wegen undurchsichtiger Geschäfte mit einem Lobbyisten deutlich abgemahnt. 1932 zog er sich aus der Politik zurück und wurde Unternehmer – mit wechselndem Erfolg. Seine Frau Alfreda reichte kurz darauf die Scheidung ein. Sie wollte seine außerehelichen Affären, für die er schon in jüngeren Jahren berüchtigt war, nicht länger dulden. 1937 heiratete Bingham erneut. 1948 schrieb er seinen autobiographischen Bestseller „Lost City of the Incas“ – fast vierzig Jahre nach seiner bahnbrechenden Entdeckung von Machu Picchu. 1956 stirbt Bingham im Alter von 80 Jahren.

Der wahre und gierige Entdecker von Machu Piccchu

Bingham selbst war sich schon bei seinem ersten Besuch bewusst, dass er nicht der erste Entdecker von Machu Picchu war – das hatten die untrüglichen Indizien von landwirtschaftlicher Nutzung, die aufgefundenen Säcke mit Kartoffeln und der in einen Felsen gehauene Name „Lizarraga 1902″ eindeutig gezeigt.

Später ergaben seine eigenen Nachforschungen: Bauern hatten die Ruinen von Machu Picchu entdeckt, als sie den Wald rodeten und die Bäume anschließend verbrannten. Als die Flammen im Jahr 1901 außer Kontrolle geraten und auch den ursprünglich von den Inkas angelegten Weg nach Machu Picchu freilegten, gelang es dem Bauern „Lizarraga“, die Ruinen zu entdecken.

Aber Bingham hielt sich für denjenigen, der die Stätte wissenschaftlich erfasst und der Welt zugänglich gemacht hatte. 1912 verfasst er einen Brief an seinen ehemaligen Lehrer in Honululu, in dem er sich in dieser Hinsicht mit Columbus verglich: Zwar war dieser auch nicht der erste Mensch, welcher Nordamerika entdeckte, doch er machte den Kontinent bekannt. Bis heute ist die Bezeichnung „wissenschaftlicher“ Entdecker (‚Descubridor Cientifico‘) von Machu Picchu die auch offiziell für Bingham genutzte.

Hiram Bingham Gedenktafel

Sorgfältige Wortwahl: Bingham als „wissenschaftlicher“ Entdecker (‚Descubridor Cientifico‘)

Spätere Historiker fanden allerdings heraus: Es gab noch eine Reihe Anderer, die Machu Picchu erstaunlich nahe gekommen waren und es zuletzt mit wahrscheinlich katastrophalen Folgen erreicht hatten.

Bereits im Jahr 1657 wurde das Land rund um die Ruinen von dem Augustinerorden gepachtet. Kenntnis von der prächtigen Stadt nahmen sie aber nicht, soviel man heute weiß.

Eine mysteriöse Karte vom Dezember 1874 hält noch mehr Informationen bereit. Der deutsche Ingenieur Herman Göhring sollte für die peruanische Regierung eine Straße vom Inland zum Pazifik finden. Die anlässlich dieses Unternehmens von Göhring erstellte Karte zeigt einen klaren Eintrag von Machu Picchu, allerdings keine Erwähnung der Ruinen und auch viele geographische Unstimmigkeiten.
Herman Göhring Karte Machu Picchu von 1874
Der österreichisch-französische Wissenschaftler Charles Wiener, der Peru in 1875 bereiste, wusste wiederum bereits von den Ruinen, die er „Malchopicchu“ nannte und in seinem 1880 erschienen Reisebericht „Perou et Bolivie“ erwähnte – allerdings auch hinzufügte, dass es ihm unmöglich gewesen war, sie selbst zu erklimmen. Bingham kannte Wieners Reisebeschreibungen ebenfalls.

Tatsächlich aber scheint Machu Picchu schon vor Göhring und Wiener, nämlich im Jahre 1867, auf geradezu skandalöse Art und Weise nicht nur entdeckt, sondern auch geplündert worden zu sein.

2008 entdeckte eine Gruppe von Wissenschaftlern des Französischen Instituts für Andenstudien (Ifea) in Lima eine Reihe von Karten, Briefen und anderen Dokumenten, die auf einen deutschen Einwanderer verweisen: Augusto Berns. Berns war Holzhändler und Goldsucher und hatte als solcher Abholz- und Schürfrechte in der Region um Machu Picchu erworben. Eine von Bingham in Machu Picchu gefundene „Maschine mit großen Eisenrädern“ gehörte wohl gar nicht den dort arbeitenden Bauern, sondern war wahrscheinlich von Berns zurückgelassen worden.

Sicher wird man nie sein können, doch es ist auffallend, dass Bingham und sein Team so gut wie kein Inka-Gold in Machu Picchu fanden. In einem Brief von Berns beschreibt dieser den Fund von „Gebäuden und unterirdischen Strukturen, die mit Steinen verschlossen sind und ohne Zweifel Objekte von großem Wert enthalten werden, die Teile des Inka-Schatzes sein könnten.“ Er schreibt weiterhin, er habe“die Unterstützung der Regierung, diese Schätze zu heben und zu veräußern.“ Inwieweit dies tatsächlich geschehen ist, werden wir vielleicht nie wissen.

Die Schatzsuche von Machu Picchu hört nicht auf

Nach wie vor zieht Machu Picchu nicht nur Touristen, sondern auch Abenteurer und Archäologen an. 2010 etwa entdeckte David Cresby, ein französischer Ingenieur, eine „versteckte Tür“ am Fuße eines der größeren Gebäude.

Grab in Machu Picchu

Das neueste Geheimnis von Machu Picchu?

2012 sie wurde mit nicht-invasiver Technologie durchleuchtet; es bestätigte sich, dass dahinter eine Höhle sowie unter Umständen weiteres archäologisch wichtige Objekte verborgen sein könnten. Das Forscherteam stellte sogar die Vermutung auf, es könne sich bei dem verborgenen Raum um das Grab von Pachacutec handeln. Noch hat die peruanische Regierung einer Öffnung nicht zugestimmt; Machu Picchu hält hier, wie sicherlich noch an vielen anderen Stellen, weitere Geheimnisse verborgen.
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Bergpfad

Der Inka-Trail und drei alternative Aufstiege nach Machu Picchu

Machu Picchu lässt sich von Cuzco aus auf unterschiedlichsten Wegen erreichen: Bequem per Bahn und Bus, aber eben auch zu Fuß – genau so, wie seine Bewohner und ersten Entdecker es erklommen haben. Outdoor-Liebhaber auf der ganzen Welt träumen davon, einmal dem berühmten Inka-Trail zu folgen. Allerdings ist er mitnichten der einzige Kletterweg, auf dem Machu Picchu erreicht werden kann. Im folgenden stellen wir vier einzigartige, landschaftlich atemberaubende Anstiege zur berühmten Inka-Stätte Machu Picchu vor und geben viele Tipps, wie die Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Der Inka-Trail nach Machu Picchu: Mehr als nur eine Reiseroute

Inka-Trail nach Machu Picchu

Beim detaillierten Anblick einer Peru Karte stellt sich der gesunde Menschenverstand schnell die Frage, warum die Inkas nicht einfach entlang des Flusses Urubamba nach Machu Pcchu gereist sind. Neueste historische Forschungen haben eine interessante Antwort: Die Reise nach Machu Picchu könnte mehr gewesen sein als nur eine praktische Route zu einem ersehnten Ziel. Viel wahrscheinlicher handelte es sich um eine zeremonielle Pilgerreise.

Einige Forscher glauben, der Inka-Trail sollte die legendäre „himmlische“ Reise der ersten Inka nachzeichnen, nachdem sie die „Isla del Sol“ (Sonneninsel) im Titikakasee verlassen hatten. Andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Beschwerlichkeiten, aber auch umwerfende Schönheit des Inka Pfades die Reisenden auf den Anblick und das Betreten von Machu Picchu angemessen vorbereiten sollten. Beide Interpretationen sind sich einig, dass dieser Teil des Inka-Straßensystems mit besonderem Augenmerk auf dramatische Momente angelegt wurde; ähnlich einem guten Drehbuch bietet der Weg viele überraschende Wendungen und Ausblicke, bevor er auf dem Höhepunkt in Machu Picchu sein Happy-End findet. Als Höhepunkt könnte der letzte Abschnitt des Pilgerwegs mit dem Erklimmen der Stufen zum Intihuatana Stein geendet haben, dem höchsten Ort innerhalb der Ruinen von Machu Picchu.

Der „wahre“ Inka-Trail führt weit über Machu Picchu hinaus

„Intihuatana“- Stein

Der „wahre“ Inka-Trail führt weit über Machu Picchu hinaus

Tatsächlich ist der historische, vor über 500 Jahren konstruierte Inka Trail sehr viel länger als die weltbekannte Trekking-Route gleiche Namens. Es handelt sich dabei um ein etwa 22.500 km langes Wege-System quer durch Nordwest-Südamerika, das die wichtigsten Städte des einst mächtigen Inkareiches miteinander verband. Dieser ursprüngliche Inka Trail begann nördlich von Ecuadors Hauptstadt Quito, verlief dann durch Peru und Bolivien und setzte sich bis südlich von Santiago, Chiles Hauptstadt fort. In der Höhe verläuft der heute noch nachvollziehbare Pfad bis zu 5.000 m über dem Meeresspiegel. An einigen Stellen führten Hängebrücken über Täler und Flüsse.

Chaski

Chaski

Sinn der Verbindung war die Gewährleistung einer reibungslosen Kommunikation zwischen den Standorten des Inka-Imperiums. Deshalb wurde der Inka-Trail hauptsächlich von sogenannten Chasquis oder Chaskis, den Boten der Inkas genutzt, die so schnell und effizient Botschaften und Objekte überbringen konnten. Historiker gehen davon aus, dass die Chaskis Dutzende Kilometer täglich zurücklegen konnten. Das ist eine selbst für Peruaner heute unvorstellbare Leistung – vom mitteleuropäischen Wanderer ganz zu schweigen, der sich erst an die Höhenunterschiede gewöhnen muss. Gleichzeitig war der Inka-Trail aber auch mit beladenen Lamas zurücklegbar, die über 25 Kilometer am Tag laufen konnten.

Entlang des Inka-Trail fanden Läufer und Reisende sogenannte „Tambos“, Herbergen und Rastplätze, die auch von Soldaten und Händler genutzt wurden und deutlich abseits von Wohngebieten lagen.

Tambo-Ruine

Tambo-Ruine mit offener Herdstelle

Mal waren es nur kleine Häuschen mit einer Kochgelegenheit (die sogenannten Chaskiwaski), mal ganze Wohnanlagen mit Lagern für Mais und getrocknete Kartoffeln, Ställen zur Übernachtung für die Tiere und nahe gelegenen Aquädukten zur Wasserversorgung. Einige Tambos dienten auch bürokratischen Zwecken und waren permanent mit Inka „Beamten“ besetzt, die den Güterfluss und die Lagerung kontrollierten und protokollierten. Entlang des Inka-Trail haben die Inka zudem Obstbäume kultiviert, um eine Versorgung der Reisenden mit frischen Früchten zu gewährleisten.
(Heute sind Touristen bei ihrer Wanderung nach Machu Picchu nicht mehr auf die Versorgung durch die Tambos angewiesen. Auf die Touren kommen immer ein oder zwei Köche mit, die meist köstliche, Peruanische Spezialitäten zubereiten.)

Da die Inka noch kein Schriftsystem kannten, überbrachten die Boten ihre Nachrichten mündlich oder aber per „Quipus“, Kordeln mit einem komplexen, verschiedenfarbigen Knotensystem. Jede Farbe und jede Knotenkombination hatte ihre eigene, feste Bedeutung; sie waren leicht zu transportieren und wetterfest. Auch im Falle eines Angriffs konnten die Quibus Auskunft über Ort und Art des Konflikts Auskunft geben.

Dreh- und Angelpunkt des Inka-Trail war die Stadt Cuzco, die für das Inka Reich eine vergleichbare Rolle spielte wie Rom im Römischen Reich. Tragischerweise war es die perfekte Infrastruktur, die schlussendlich auch die spanischen Eroberer trotz der eigentlich unwirtlichen Anden schnell von einer Inka Stätte zur nächsten führte. Dabei erstaunt es, dass Machu Picchu offensichtlich unberührt blieb, trotz seiner Einbindung in das öffentliche Straßensystem. Höchstwahrscheinlich lag es daran, dass Machu Picchu ein Rückzugsort der Inka Elite war und daher generell weniger frequentiert wurde – ganz im Gegensatz zu heute, wo die peruanische Regierung Angestellte bezahlt, um den Inka-Trail von Überwucherungen und für Machu Picchu Touristen frei zu halten.

Der Inka Trail nach Machu Picchu

Bergpfad

Der heute als Inka-Trail benannte Weg von Cuzco nach Machu Picchu ist eine der weltbekannten Kletterrouten, bei der Weg und Ziel gleichermaßen beeindruckend sind. Er dauert vier bis fünf Tage, wobei bei ausreichend Zeit die längere der kürzeren Version vorzuziehen ist. Von den schneebedeckten Höhen der Anden zieht sich der Pfad bis in den fruchtbaren, amazonischen Dschungel durch ein immer noch ursprüngliches, atemberaubendes Terrain. Auch wenn der
neue Inka-Trail nur knapp 43 Kilometer lang ist, zeichnet er sich durch extreme Höhenunterschiede, aber auch Dutzende von Inka Ruinen, eine faszinierend artenreiche Flora und Fauna und einzigartige Ausblicke in die Bergwelt der Anden aus.

Ganz wichtig: Für den Inka-Trail sollten Sie physisch fit und ausgeruht sein, sowie die passende Trekking-Ausrüstung dabei haben. Auch wenn der Inka-Trail konstant inspiziert und gewartet wird, ist er doch nicht an allen Stellen komfortabel zu erklimmen. Zwischen einem und zwei Metern breit, ist ein Teil zwar mit Steinen gesichert und bietet einen sehr soliden Untergrund; an anderen Stellen aber ist er lediglich eine staubiger Erdweg, der auch steil bergan gehen kann.

Die peruanische Regierung gestattet aus Umweltschutzgründen nur 500 Personen pro Tag auf dem klassischen Inka Trail (zu anderen, flexibleren Alternativen kommen wir weiter unten). Deshalb sind die Touren oft bis zu drei Monaten im voraus ausgebucht. Das A und O ist deshalb eine zeitige Online-Buchung bei einem Anbieter nach Wahl.

Die Trekking-Route nach Machu Picchu

Inka_Trail_Karte

Entlang des Inka-Trail gibt es eine beeindruckende Anzahl an Inka Stätten zu entdecken.

Meist führt der erste Tag bequem entlang des Urubamba Flusses, um am frühen Abend zu den Patallacta Ruinen zu führen. Diese terrassierten Überreste eines Dorfes wurden ungefähr zur selben Zeit erbaut wie Machu Picchu und bilden eine ausgezeichnete Raststätte für die erste Nacht im Zelt.

Patallacta

Wer in den Dämmerstunden noch die Muße aufbringt, bricht zu einer kurzen Besichtigungstour der Ruinen auf. Die meisten Tourguides haben zu diesem Zweck Taschenlampen dabei. Der Ausflug bei Nacht hat seinen Sinn, den die Inkas bauten viele ihrer Gebäude nach astronomischen Prinzipien, wie sich nicht zuletzt auch in Machu Picchu beobachten lässt. Im Sonnentempel von Patallacta rahmen zwei nach Osten ausgerichtete Fenster zu bestimmten Zeiten des Jahres immer wieder andere Sternenkonstellationen ein (im Juni etwa die Corona Borealis), die offensichtlich spezifische Bedeutungen innerhalb der Inka Mythologie hatten.

Der zweite Tag auf dem Inka Trail folgt von Patallacta ausgehend jener Route, über die schon der wissenschaftliche Entdecker von Machu Picchu, Hiram Bingham, im National Geographic Magazine schrieb: „Die Ruinen einer alten Inka Straße führten aus dem Tal heraus in Richtung Machu Picchu“. An diesem Tag wird die körperliche Herausforderung, die der Inka-Trail darstellt, deutlich: Mehr als anderthalb Kilometer Höhenunterschied werden heute erklommen. Erfahrene Führer haben hierfür immer einen Vorrat an Koka-Blättern dabei, das tausend Jahre alte Mittel der Peruaner gegen Höhenkrankheit.

Der nächste, dritte Tag führt nach Warmiwanusca, auch bekannt als Dead Woman’s Pass, mit 4.200m Höhe der höchster Punkt des Inka-Trail.

Inka Trail - Warmiwanusca

Warmiwanusca

Hier beginnt, nach einem langen Blick zurück in die Bergwelt, auch der subtropische Regenwald. Geheimnisvolle Ruinen, höchstwahrscheinlich zeremonielle Schreine oder auch Wächterposten, beginnen den Weg zu säumen. Rucu Raccay, eine der bekanntesten dieser Bauwerke, wurde ebenfalls von Hiram Bingham entdeckt und scheint die Umrisse eines Schmetterlings nachzuzeichnen.

Inka Trail - Rucu Raccay

Rucu Raccay

Während des dritten Reisetages entlang des Inka-Trail auf dem Weg nach Machu Picchu warten noch zwei weitere beeindruckende Inka Ruinen auf die Reisenden: Sayacmarca, das sich meist dramatisch aus dem Nebel schält wie ein plötzlich auftauchendes Segelschiff auf dem verhangenen Ozean und Phuyupatamarca, berühmt für seine kaskadierenden Steinbäder.

Inka Trail - Sayacmarca

Sayacmarca

Dort wird auch oft das Camp für die Nacht aufgeschlagen, da sich hier am Morgen die beste Sicht über den gesamten Inka-Trail bietet, bevor es auf die Zielgerade nach Machu Picchu geht. Bei Sonnenaufgang und mit etwas Glück klarem Himmel liegt ein atemberaubender Ausblick auf den Salcantay vor dem Reisenden, einen der heiligsten Berge in der Kosmologie der Inka, die ja auch auf Machu Picchu viele Zeichen hinterlassen hat. Daneben sind rundum andere Gipfel zu bestaunen, manche begrünt, manche mit eisigen Kappen versehen. Für die Inka waren die Berge Götter, heilige Orte und ein solches Plateau die Gelegenheit, inmitten dieser heiligen Präsenz inne zu halten.

Machu Picchu ist von hier zwar noch den Blicken verborgen, aber nur durch einen Gipfel getrennt. Nun geht es wieder etwa 900 Meter hinunter. Der Weg führt durch einen Steintunnel, den die Inka völlig ohne Metallwerkzeuge durch eine Klippe gearbeitet haben bis zu den massiven, gewundenen Steinterrassen von Wiñay Wayna.

Inka Trail - Winay Wayna

Winay Wayna

Wüsste der Reisende nicht, dass es eigentlich nach Machu Picchu geht, er könnte Wiñay Wayna leicht für das Ende der Reise halten. Übersetzt bedeutet Wiñay Wayna „Für immer jung“, wahrscheinlich in Anspielung an die vielen pinken Orchideen, die diesen Ort bevölkern und ihm eine ganz eigene Poesie verleihen.

Der Ort selbst wird auch durch seine Position magisch – er überblickt den Urubamba Fluss; auf einem Hügel darüber stürzt ein Wasserfall hinunter. Überhaupt spielte Wasser, ähnlich wie in Machu Picchu, offensichtlich eine große Rolle in dieser Inka Stätte. Fünfzehn fest verfugte Bäder, in einer speziellen Abfolge gebaut, lassen auf Wiñay Wayna als spirituelles Zentrum schließen, in dem das Wasser als heiliges Medium verehrt wurde – unter Umständen handelte es sich auch um eine letzte Gelegenheit für Pilger, auf dem Weg nach Machu Picchu ein rituelles, reinigendes Bad zu nehmen.

Inka Trail - Treppen

Wüsste der Reisende nicht, dass es eigentlich nach Machu Picchu geht, er könnte Wiñay Wayna leicht für das Ende der Reise halten. Übersetzt bedeutet Wiñay Wayna „Für immer jung“, wahrscheinlich in Anspielung an die vielen pinken Orchideen, die diesen Ort bevölkern und ihm eine ganz eigene Poesie verleihen.

Der Ort selbst wird auch durch seine Position magisch – er überblickt den Urubamba Fluss; auf einem Hügel darüber stürzt ein Wasserfall hinunter. Überhaupt spielte Wasser, ähnlich wie in Machu Picchu, offensichtlich eine große Rolle in dieser Inka Stätte. Fünfzehn fest verfugte Bäder, in einer speziellen Abfolge gebaut, lassen auf Wiñay Wayna als spirituelles Zentrum schließen, in dem das Wasser als heiliges Medium verehrt wurde – unter Umständen handelte es sich auch um eine letzte Gelegenheit für Pilger, auf dem Weg nach Machu Picchu ein rituelles, reinigendes Bad zu nehmen.

Später am selben Tag erreicht der Reisende eine Steintreppe, die in einen dicht gewachsenen, tropischen Regenwaldabschnitt führt. Ist sie erklommen, breitet sich vor seinen Augen das Ziel des Inka Trail aus: Machu Picchu, die antike Inka-Hochburg, sie sich aus dieser Perspektive und mit dem richtigen Licht als beeindruckende, weiße Steinstadt präsentiert.

Alternative Routen nach Macchu Picchu

Wer zu spät bucht, einen vier bis fünftägigen Anstieg entweder zu lang und beschwerlich oder gar zu kurz findet oder aber eine neue Route nach Machu Picchu ausprobieren möchte, für den gibt es eine ganze Reihe von interessanten Alternativen zum klassischen Inka-Trail. Dank den Baukünsten und der Unermüdlichkeit der Inka, die Wege quer durch die ganzen Anden angelegt haben, führen viele begleitete Wege nach Machu Picchu – oder zumindest sehr nahe bei. Im Gegensatz zum
Inka-Trail benötigen Reisende für diese Touren keine Genehmigungen („Permits“). Sie können direkt vor Ort in Cuzco gebucht werden – meist schon unmittelbar vor Antritt, so gewünscht. Drei dieser Touren stellen wir Ihnen im Folgenden vor. Es lassen sich aber auch Varianten davon und sogar individualisierte Treks buchen.

Auf der Salcantay Route nach Machu Picchu

Inka Trail - Mollepata-Tal

Mollepata-Tal

Der Salcantay Trail führt durch das Mollepata-Tal am Salcantay Berg vorbei in einen Wald hinein, bevor er an einem kleinen Bahnhof endet, der den Reisenden direkt nach Machu Picchu bringt. Wer sich besonders für die Vielfalt des peruanischen Ökosystems, hier ansässige Fauna und Flora und die Topografie der Landschaft interessiert, sollte die Salcantay-Route nicht verpassen.

Der 6200 Meter hohe Berg Salcantay war einer der heiligsten Berge der Inkas und wird bis heute in den traditionellen Religionen der Anden verehrt. Der Maultier geleitete Trail führt auf einer Höhe von etwa 4500 Meter am Salcantay vorbei und windet sich dann in den subtropischen Regenwald, wo er auf eine uralte Inkastraße trifft, die zur berühmten Capac Ñan Infrastruktur gehört, die die weit entfernten Enden des Inka Reiches verknüpfte.

Weiter geht es zu den noch nicht lange vollständig freigelegten Ruinen von Llactapata. Von hier kann der Reisende über das Tal einen ersten Blick auf Machu Picchu werfen, aus einer selten Längsperspektive. Hügelabwärts liegt der kleine Bahnhof, von dem aus eine häufige Shuttle-Verbindung Touristen am Urubamba Fluss entlang nach Aguas Calientes bringt, der Stadt am Fuß von Machu Picchu. Je nach Führer und Unterkunft ist man auf dieser Route fünf bis acht Tage lang unterwegs.

Auf der Lares Route nach Machu Picchu

Inka Trail - Lares Tal

Das Lares Tal

Im Gegensatz zum tatsächlich wunderschönen Sacred Valley, das von Tausenden von Machu Picchu Touristen jährlich durchquert wird, liegt im Norden das versteckt gelegene Lares Tal – dort, wo die massiven, schneebedeckten Gipfel über dem Heiligen Tal thronen. Hier verläuft das Leben noch heute nicht viel anders als vor hundert Jahren: Menschen tragen ganz selbstverständlich die traditionelle Tracht der Anden, pflanzen Kartoffeln von Hand, ziehen Herden von Lamas und Alpakas groß und weben traditionelle Stoffe wie schon Generationen vor ihnen – und das alles ohne Folklore. Wenn Sie auf der Suche nach dem ursprünglichen Leben Perus sind und neben Machu Picchu auch noch einen Einblick in die Kultur der Anden gewinnen möchten, dann ist die Lares Route genau das Richtige.
Lamas auf dem Inka Trail

Hier begegnen Sie auf den drei bis fünf Tagen, die Sie unterwegs sein werden, oft nur Bauern und Handwerkern. Meist beginnt die Lares Route in der winzigen, gleichnamigen Stadt und verläuft dann durch zahlreiche, kleinere Dörfer. Zwischendurch gewinnt der Reisende einen spektakulären Blick auf den Veronica Berg und eine Reihe glasklarer Bergseen. Die Route endet in der Nähe der Ruinen von Ollantaytambo. Von hier bringt Sie eine kurze Bahnreise von etwa 90 Minuten nach Machu Picchu.

Der eintägige Inka Trail nach Machu Picchu

Auch wenn Sie nicht die Kondition eines erfahrenen Bergsteigers haben, müssen Sie nicht auf die Trail-Erfahrung nach Machu Picchu verzichten. Die lediglich eintägige Inka Tour beginnt entlang der Bahngleise nach Machu Picchu, etwa ab Kilometer 100. Ein dreistündiger Fußmarsch die steilen Hügel hinaus bringt Sie nach Wiñay Wayna. Von dort aus können Sie direkt nach Machu Picchu weiterlaufen. Viel empfehlenswerter ist es aber, auf dieser Höhe zu übernachten und am nächsten Morgen extra früh aufzustehen. So können Sie Machu Picchu bei Sonnenaufgang durch das berühmte Sonnentor betreten.

Inka Trail - Sonnentor

Das Sonnentor

Achten Sie allerdings daraus, dass auch die eintägige Inka Route eines sogenannten Permits bedarf! Sie muss deshalb so früh gebucht werden wie auch die mehrtägige Version.

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Aguas Calientes Station (Fotograf: Hugh Llewelyn)

Reisetipps Machu Picchu

Wie für jedes Reiseziel gibt es auch für Ihre Machu Picchu Reise einiges zu beachten, um eine unbeschwerte Zeit an diesem geheimnisvollen und faszinierenden Inka-Ort zu verbringen. In unseren Reisetipps erfahren Sie mehr zu Anreise, der besten Reisezeit nach Machu Picchu, dem Wetter in Machu Picchu, der Akklimatisierung, Gesundheit und richtigen Reisekleidung, den Kosten und Sparmöglichkeiten, der perfekten Machu Picchu Tour für jedes Budget und noch einiges mehr an Geheimtipps direkt aus unserer Machu Picchu Travel Redaktion!

Ihre Reise nach Machu Picchu

Reisetipps

Wie für jedes Reiseziel gibt es auch für Ihre Machu Picchu Reise einiges zu beachten, um eine unbeschwerte Zeit an diesem geheimnisvollen und faszinierenden Inka-Ort zu verbringen. In unseren Reisetipps erfahren Sie mehr zu Anreise, der besten Reisezeit nach Machu Picchu, dem Wetter in Machu Picchu, der Akklimatisierung, Gesundheit und richtigen Reisekleidung, den Kosten und Sparmöglichkeiten, der perfekten Machu Picchu Tour für jedes Budget und noch einiges mehr an Geheimtipps direkt aus unserer Machu Picchu Travel Redaktion!

Je besser Sie die Anreise zu den berühmte Inka-Ruinen in Machu Picchu planen, desto mehr Reisevergnügen werden Sie haben! Die Logistik der Machu Picchu Reise ist durch sorgfältige Vorbereitung und die Hilfsbereitschaft vor Ort wunderbar zu meistern.

Machu Picchu: Reisezeit und Wetter

Machu Picchu ist das ganze Jahr über geöffnet – und das Wetter in Machu Picchu ist notorisch wechselhaft. Da es weder hinsichtlich trockenen Wetters noch der Besucherzahlen 100% sichere Vorhersagen gibt, gibt es eigentlich auch keine explizit beste Reisezeit für Machu Picchu.

Offiziell dauert die Regensaison von Oktober bis April, aber in Machu Picchu kann einen der Regen jederzeit erwischen – und manchmal regnet es dann tagelang. Wenn Sie die Regensaison ganz vermeiden wollen, sollten Sie Ihre Reisezeit nach Machu Picchu nicht zwischen Dezember und Ende März legen; dann hängen die Wolken am tiefsten und es regnet oft tagelang.

Feuchtperioden können Ihnen allerdings während jeder Reisezeit nach Machu Picchu begegnen. Bereiten Sie sich einfach innerlich auf diese Möglichkeit vor und nehmen Sie es mit Gelassenheit – dann sind Sie auch nicht an eine bestimmte Machu Picchu Reisezeit gebunden. Auch feucht „versprühen“ Landschaft und Ruinen einen ganz besonderen Charme! Wichtig ist nur das passende Regenzeug. Investieren Sie in einen hochwertigen, wirklich wasserabweisenden Anorak oder eine Jacke mit einer dicht schließenden Kapuze, unter den auch ein kleiner Rucksack passt.

Die trockene Saison dauert offiziell von Mitte April bis Ende September. Dann ist das Wetter in Machu Picchu tagsüber klar und hell, mit durchschnittlichen Tagestemperaturen von 18 °C. Nach dem Sonnenuntergang gegen 18.15 Uhr gehen die Werte schnell auf etwa 10 – 12 °C zurück; die Abende sind noch kühler!

Geheimtipp: Die beste Reisezeit nach Machu Picchu für Individualtouristen

Statistisch betrachtet ist die beliebteste Machu Picchu Reisezeit zwischen Mai und September, mit einem Höhepunkt in den Monaten Juni und August – das liegt aber weniger am Klima als an den Ferientermine. Auch der ganze Dezember ist ein sehr beliebter Besuchermonat. Die perfekte Machu Picchu Reisezeit für Individualtouristen sind die Monate zwischen Oktober und November sowie Januar und Mai. Ab vier Uhr nachmittags werden die Ruinen generell leerer, ganz egal, wann Sie anreisen. Bleiben Sie also so lange wie möglich!

Allerdings: Ganz egal, welche Machu Picchu Reisezeit Sie wählen, alleine werden Sie dieses Weltwunder selten zu Gesicht bekommen. Andererseits gibt es eigentlich auch keine Massenströme – zwischen den Ruinen verlaufen sich die Menschen schnell.

Anreise nach Machu Picchu

Falls Sie nicht den Inka-Trail nehmen (dazu später mehr), fahren Sie in einer Kombination aus Zug und Bus oder Taxi zwischen Cusco und Machu Picchu.

Theoretisch können Sie das ganze Ausflugsprogramm sogar an einem Tag absolvieren. Der Zug benötigt etwa dreieinhalb Stunden von Cusco nach Machu Picchu Pueblo, der Stadt am Fuß des Berges, die früher Aguas Calientes hieß. Wenn Sie nur den Nachmittag in den Ruinen verbringen, können Sie schon abends wieder in Cusco sein.

Cuzco - Anreise zum Machu Picchu

Cusco (Fotograf: Martin St-Amant)

Zu empfehlen ist so ein Kurztrip aber eigentlich nicht. Er strengt nicht nur körperlich an, sondern lässt auch wenig Zeit, in die magische Stimmung der Ruinen wirklich einzutauchen. Haben Sie ein paar Tage Zeit für Ihre Reise nach Machu Picchu, ist eine gemütlichere Gangart empfehlenswert.

Beispielsweise können Sie nach der Landung in Cusco direkt nach Aguas Calientes weiterfahren, dort den Ort erkunden, über Nacht bleiben, einen vollen Tag in Machu Picchu einplanen und schließlich in Cusco nochmals eine oder zwei Übernachtungen mitnehmen. Cusco mit seinen 500.000 Einwohnern ist nicht umsonst UNESCO Weltkulturerbe. Mit seinen Straßen voller Pflastersteinen und seiner extrem entspannten Atmosphäre ist es der perfekte Ort, um die Eindrücke der vergangenen Tage nachklingen zu lassen.

Die Zugfahrt Cusco – Machu Picchu

Die Züge werden von PeruRail betrieben. Die 3,5-Stunden-Zugfahrt selbst ist bereits ein Erlebnis; sie führt direkt durch den Canyon am Urubamba-Fluss vorbei. Ab Bahnhof können Sie zwischen drei Zügen mit verschiedenen Preiskategorien wählen: dem Expedition, dem Vistadome und dem Hiram Bingham.

Aguas Calientes Station (Fotograf: Hugh Llewelyn)

Aguas Calientes Station (Fotograf: Hugh Llewelyn) „Aguas Calientes Station (5687395841)“ by Hugh Llewelyn – Aguas Calientes StationUploaded by Oxyman. Licensed under CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

Während im preiswerten Expedition (auch liebevoll „Backpacker-Train genannt und perfekt geeignet, um auf Ihrer Reise nach Machu Picchu schnell mit anderen Travellern ins Gespräch zukommen) nicht alle Sitze direkt am Fenster platziert sind, haben Sie im etwas teureren, dafür aber auch bequemeren Vistadome von jedem Platz aus freie Sicht. Allerdings kostet Sie dieses Vergnügen auch etwa 50 Dollar mehr bei etwa gleicher Fahrtdauer.

Tatsache ist auch, dass Sie vielleicht gar nicht sitzen bleiben wollen – denn die beste Aussicht hat man von den Türen zwischen Zugabschnitten. Bedenken Sie nur, dass im Expedition keine Snacks und Getränke serviert werden, Sie müssen also selber vorsorgen. Allerdings beträgt die Fahrtzeit nur etwa 90 Minuten.

In einer ganz anderen Liga fährt der Hiram Bingham, der nicht umsonst von der Orient-Express-Gruppe betrieben wird. In dieser Luxusvariante eines Zuges wird Ihnen ein hervorragendes Essen auf blendend weißen Tischtüchern mit passendem Wein serviert – natürlich auch zu einem entsprechend höheren Preis. Der Zug fährt nicht in Cusco selbst, sondern in der Nachbarstadt Poroy ab. Eine Taxisfahrt dorthin ist günstig, braucht aber mindestens zwanzig Minuten, die Sie einkalkulieren sollten.

Mit dem Zug zum Machu Picchu

Der Hiram Bingham, Speiseabteil (Quelle: PeruRail)

Expedition und Vistadome fahren ab Cuzco’s Estación San Pedro an der Calle Cascaparo. Der Hiram Bingham geht ab Estación Poroy, 15 außerhalb Cuzcos. Alle Züge kommen am Estación Machu Picchu Pueblo in Aguas Calientes an.

Für welche Zugvariante Sie sich entscheiden, eines kann nicht genug betont werden: Kaufen Sie Ihr Zugticket so früh es geht – wenn möglich Monate im Voraus. Zu bestimmten Zeiten sind die Fahrkarten bereits Wochen vor Abreise ausgebucht.

Geheimtipp: Fahren Sie über Ollantaytambo

Sollten Sie Ihre Reise nach Machu Picchu allerdings spontaner unternommen und nun keinen Platz mehr bekommen haben, gibt es noch ein Schlupfloch – bei dem Sie sogar Geld und Zeit sparen können! Von Cusco aus können Sie per Taxi oder Minibus ins etwa 60 km nordwestlich gelegene Ollantaytambo im Sacred Valley fahren; die Fahrt dauert anderthalb bis zwei Stunden. Das Taxi wird Sie etwa 20 Dollar, der Bus sogar nur etwa fünf Dollar kosten. Letzterer, der sogenannte Colectivo, wird auch von Einheimischen benutzt und ist ein ganz eigenes Abenteuer.

Von Ollantaytambo aus gehen von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends regelmäßig Züge nach Aguas Calientes, die dann nur noch anderthalb Stunden für die Reise brauchen. Hier können Sie zwischen zwei Bahngesellschaften wählen: Peru Rail oder Inka Rail. Letztere ist etwas preiswerter. Übrigens: Auch Ollantaytambo ist als Zwischenstopp Ihrer Reise nach Machu Picchu einen Aufenthalt wert. Es ist eine pittoresker kleiner Ort inmitten einer wunderschönen Landschaft, der ebenfalls Inka-Ruinen beherbergt und fast nie überlaufen ist.

Machu Picchu Ruinen

Inka-Ruinen bei Ollantaytambo (Fotograf: AgainErick)

Wenn das Wetter in Machu Picchu verrückt spielt: Erdrutsche und Überschwemmungen

Nach wirklich schweren und durchgehenden Regenfällen im Dezember und Januar kann es zu Erdrutschen rund um Machu Picchu, Cusco und dem Sacred Valley kommen. Nicht selten blockieren diese auch die Zugstrecken von Ollantaytambo nach Aguas Calientes / Machu Picchu. Dies kann zu Verspätungen und Unterbrechungen von mehreren Stunden führen – im schlimmsten Fall sind die Gleise tagelang blockiert. Wenn Ihre Reise nach Machu Picchu in einem engen Zeitfenster stattfinden soll, erkundigen Sie sich ein paar Tage vorher, wie die Zustände sind.

Akklimatisierung

Ein weitere Grund, nach der Ankunft in Cusco per Zug direkt weiter nach Machu Picchu Pueblo zu fahren, ist die Höhe, auf der die Stadt liegt – nämlich auf 3.416 m. Aguas Calientes hingegen liegt im Urubambatal auf „nur“ 2.090 Metern über dem Meeresspiegel. Damit ist der Ort ein wesentlich günstigerer Platz, um sich an den Höhenunterschied zu gewöhnen und die Höhenkrankheit zu vermeiden, die Besucher in Cusco oft schnell überfällt.
Auch aus diesem Grund kann eine eingeschobene Übernachtung in Aguas Calientes Wunder für das Wohlbefinden wirken. Nehmen Sie die Akklimatisierung nicht auf die leichte Schulter – Übelkeit und Erschöpfung können Ihre ganze Reise nach Machu Picchu beeinträchtigen! Selbst die Einwohner haben Respekt vor den Auswirkungen der Höhe auf den menschlichen Organismus. Lassen Sie es ruhig angehen und hören Sie auf Ihren Körper.

Aufenthalt in Aguas Calientes

Übernachtung

Aguas Calientes bietet eine ganze Reihe von Hotels und Hostels in unterschiedlichen Preiskategorien; auch hier ist eine Buchung vorab empfehlenswert. Besonders das Inkaterra Pueblo ist innerhalb der gehobenen mittleren Preiskategorie beliebt. Es pflegt eine eigene, kleine Tee-Plantage, die besucht werde kann, offeriert einen wunderschönen Orchideengarten und hat eine eigene Tierrettungsstation. Ebenfalls empfehlenswert: Die von dort aus geführten Vogelbeobachtungen.

Wer weniger als 20 Dollar in der Nacht auf seiner Reise nach Machu Picchu ausgeben will, sollte sich ein wenig umschauen. Ignorieren Sie die Hotelschilder und netten Einladungen am Bahnhof, wandern Sie den Hügel hinauf und über die Brücke. Auf der anderen Seite finden Sie hübsche, kleine Pensionen, viele davon sogar mit Internetanschluss, für etwa 15 Dollar.

Wer direkt vor den Toren der Machu Picchu bleiben möchte, kann dies auch tun – allerdings nur in einem einzigen Hotel, der kleinen Belmond Sanctuary Lodge, die ebenfalls zur Orient-Express Gruppe gehört. Entsprechend teuer ist der Übernachtungspreis; so zahlen Kinder über sechs und bis zu zwölf Jahren schon über 200 Dollar im Zimmer ihrer Eltern.

Verpflegung

Vor allem entlang der Av. Pachacutec in Aguas Calientes gibt es eine Reihe freundlicher, typisch peruanischer Restaurants. Perukenner empfehlen die Küche des Hotels Inkaterra Pueblo, in dem auch Nicht-Gäste willkommen sind.

Geheimtipps in und um Aguas Calientes

Aguas Calientes wurde nach seinen Thermalquellen benannt, die eine heilende Wirkung haben sollen. Gerade nach einem langen Tag in Machu Picchu erfrischt ein Spa-Bad in den öffentlich zugänglichen Wassern – zu einer besucherfreundlichen Gebühr von etwa zehn Dollar und mit einem spektakulären Blick auf die umliegenden Berghänge.

Etwa eine Stunde Fußweg vom Ort entfernt, einen malerischen Spaziergang die Gleise entlang, liegen die Mandor Gärten mit wunderschönen Orchideen und Wasserfällen.

Wasserfall – Mandor Gärten (Quelle: jardinesdemandor.com)

Wasserfall – Mandor Gärten (Quelle: jardinesdemandor.com)

Dort findet sich auch ein echter Übernachtungsgeheimtipp für Backpacker und alle, die der Natur näher sei möchten als im Hotelzimmer: Geschützt auf dem Gelände der Gärten ist ein kleiner Campingplatz angelegt, auf dem schon für fünf Dollar die Nacht das Zelt aufgeschlagen werden kann.

Wer doch lieber nach Aguas Calientes zurückkehrt, der kann sich zum entspannenden Abschluss vor dem Abendessen noch eine traditionelle Inka-Massage gönnen, die in der Stadt für etwa 25 Dollar pro Stunde angeboten wird.

Der Tag in Machu Picchu

Eingang Machu Picchhu

Eingang Machu Picchhu (Quelle: theonlyperuguide.com)

Eingang Machu Picchhu

Egal wie sonnig und wolkenlos der Himmel aussehen mag: Packen Sie morgens auf jeden Fall eine gute Regenjacke ein – das Wetter kann schnell umschlagen. Nachts und am frühen Morgen kann es in Machu Picchu empfindlich kalt werden, am Tag dann aber feucht-schwül bis heiß. Am günstigsten fahren Sie mit dem Zwiebellook, der Ihnen erlaubt, sich mit der Erwärmung lagenweise luftiger zu machen. Bitte nicht vergessen: Mückenschutz, Sonnencreme, ein leichter Sonnenhut und wirklich bequeme Schuhe für den unebenen Boden. Im Durchschnitt werden Sie bis zu 3.000 Steinstufen auf- und abgehen!

Außerdem ganz wichtig, vor allem beim eigenen Anstieg: Ausreichend Wasser, am besten in unzerbrechbaren Flaschen. Zu Fuß sind es etwa anderthalb Stunden Fußweg von Aguas Calientes bis zur Ruinen-Stätte. Allerdings ist der Weg steil, Sie sollten also fit sein und ausreichend Zeit für kurze Verschnaufpausen einplanen. Wer danach noch einen der beiden Gipfel besteigen möchte, sollte vielleicht mit der Energie haushalten und den Bus nehmen.

Anfahrt nach Machu Picchu

Ab Morgens gegen halb sechs fährt der Bus alle paar Minuten los, sobald er voll ist; einen festen Fahrplan gibt es nicht. Er braucht etwa vierzig Minuten und kostet um die 18 Dollar. Je später am Morgen Sie sich auf den Weg machen, desto länger wird die Schlange an der Bushaltestelle sein. Sie schwillt nochmals an, nachdem die ersten Züge aus Cusco eingetroffen sind. Hier heißt es: Geduld mitbringen und nette Reisebekanntschaften knüpfen! Alternativ kaufen Sie Ihr Busticket am Tag zuvor, dann entfällt ein Teil der Warterei.

Wann genau Sie abfahren sollten, ist tagesabhängig. Natürlich ist sehr früh morgens am wenigsten los. An wolkigen Tagen kann es allerdings in den Morgenstunden so nebelig sein, dass man die Hand kaum vor Augen sieht. Keine Panik, wenn es später wird und der Bus schon sehr voll aussieht – in den Ruinen verlaufen sich die Gruppen und es fühlt sich nie gedrängt an. Natürlich sind die Sonnenaufgänge spektakulär – wenn sie zu sehen sind. Aber die Sonnenuntergänge sind es auch. Viel wichtiger ist es, abends so lange zu bleiben wie nur möglich!

Stecken Sie Münzen und Bargeld ein!

Vergessen Sie morgens nicht, ein paar Münzen einzustecken, denn der Klogang kostet einen Sole – und es werden keine Ausnahmen gemacht, egal, wie verzweifelt Sie schauen!

Münzen sind nicht das einzige Bargeld, das Sie brauchen werden. Sowohl die Bahnkarten als auch der Eintritt müssen in Bar gezahlt werden (falls sie nicht schon online erworben wurden), entweder in US-Dollar oder in peruanischen Soles. Insgesamt kommen dabei schnell 150 Dollar zusammen. Denken Sie daran, in Cusco noch Geld zu ziehen, falls nötig; auf dem Berg kommen Sie mit der Kreditkarte nicht weiter.

Machu Picchu Tickets

Am besten erwerben Sie Ihre Machu Picchu Tickets vorab online. Zahlen können Sie dabei nur mit VISA-Kreditkarte. Drucken Sie sich die Online-Quittung aus; Sie müssen sie in Cusco oder Aguas Calientes gegen das tatsächliche Ticket eintauschen. Die ausgedruckte Quittung wird nicht als Eintrittskarte akzeptiert! Reduzierte Machu Picchu Tickets für Studenten oder Kinder können nicht online erworben werden.

Ansonsten kaufen Sie Ihre Machu Picchu Tickets im Ort – in Machu Picchu selbst gibt es keine Möglichkeit mehr dazu! Entsprechende Ausgabestellen des Kulturministerium finden Sie in Cusco und in Aguas Calientes. Sie brauchen für den Erwerb einen gültigen Pass. Am besten zahlen Sie in Bar, aber Kreditkarten werden auch akzeptiert. Die Schlangen vor den Ticketschaltern können oft lang sein! Haben Sie bereits bezahlt und wollen nur Ihre Quittung gegen das tatsächliche Machu Picchu Ticket eintauschen, geht es allerdings viel schneller.
Machu Picchu Tickets in Cusco:
DRC Cusco Office
Address: Av. La Cultura N°238 Condominio Huáscar. Montag – Samstag, 8.00 Uhr – 18.00 Uhr

Machu Picchu Tickets in Agua Calientes:
DRC Aguas Calientes Office
Address: Av. Pachacutec. Montag – Sonntag, 5.00 Uhr – 10.00 Uhr

Geheimtipp: Wenn Sie sich viel Zeit sparen wollen, dann kaufen Sie Ihre Machu Picchu Tickets von einem autorisierten Händler. Die entsprechenden Autorisierungsnummern sind der Webseite des Ministeriums zu entnehmen (siehe Link). Sie zahlen hier für Ihre Machu Picchu Tickets zwar einen kleinen Aufschlag, aber der ist die eingesparte Zeit wert.

Es gibt vier verschiedene Arten von Machu Picchu Tickets: für die Ruine selbst (Ciudad Inka MAPI), zusätzlich für das Museum (Machupicchu y Museo), einschließlich einer Besteigung des Huayna Picchu, einer der beiden Gipfel, zwischen denen die Inka-Ruinen liegen oder des Machu Picchu Mountain (Montaña).

Machu Picchu Tickets
Hiermit haben Sie Zugang zu den Ruinen; Sie können diese während des Tages so oft verlassen und wieder betreten, wie Sie möchten. Die Eintrittszeiten sind von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Das Ticket kostet um die 125 Soles.

Machu Picchu Tickets + Huayna Picchu

Hier kommt noch das Ticket für den Aufstieg zum Huayna Picchu hinzu (Details siehe unten). Das Ticket kostet etwa 150 Soles.

Machu Picchu Tickets + Machu Picchu Mountain (Montaña)

Hier kommt noch das Ticket für den Aufstieg zum Machu Picchu Mountain/ Machu Picchu Montaña hinzu. Pro Tag werden nur 400 Stück ausgegeben; die Zugangszeiten zum Machu Picchu Mountain sind zwischen 7 und 11 Uhr morgens. Diese Kombi-Ticket kostet etwa 140 Soles.

Machu Picchu Tickets + Museum

Bei diesem Kombi-Ticket kommt noch der Museumsbesuch hinzu. Das Museum befindet sich nicht bei den Ruinen, sondern auf der Shuttle-Bus Route zwischen Aguas Calientes und Machu Picchu, unmittelbar vor der Brücke, bevor der Anstieg beginnt. Im 1992 wieder eröffneten Museum befinden sich Artefakte aus Machu Picchu seit seiner Wiederentdeckung 1911; einige stammen aus den letzten zehn Jahren. Die Öffnungszeiten sind zwischen 10 Uhr morgens und 5 Uhr nachmittags. Diese Kombi-Ticket kostet etwa 140 Soles.

Ganz wichtig: Heben Sie die Tickets gut auf – wenn Sie die Toilette benutzen oder etwas essen gehen möchten, verlassen Sie das Gelände. Um es wieder betreten zu dürfen, brauchen Sie Ihr Ticket und Ihren Pass! Diesen müssen Sie also auch auf jeden Fall mitnehmen.

Aufstieg zu den Gipfeln

Huayna Picchu (Fotograf: Allard Schmidt)

Huayna Picchu (Fotograf: Allard Schmidt)

Wie gesagt, die Machu Picchu Tickets einschließlich Aufstieg zum Huayna Picchu sind begrenzt, deshalb sollten Sie vorab eines buchen. Die Aufstiegszeiten sind wahlweise um sieben und zehn Uhr morgens. Empfehlenswert ist der spätere Aufstieg, da die Sicht dann meist klarer wird.

Der Aufstieg ist anstrengend; Sie sollten unbedingt über das richtige Kletter-Schuhwerk verfügen. Wer einmal oben angekommen ist, vergisst jedoch alle Strapazen: Der Blick über Machu Picchu ist spektakulär und bietet vor allem Hobbyfotografen faszinierende Motive – ein echtes Highlight Ihrer Reise nach Machu Picchu!

Geheimtipp Wayna Picchu

Auch der höhere der beiden Gipfel, der Wayna Picchu, kann bestiegen werden. Dieser allerdings ist schon fast etwas für Profis. Pro Tag sind nur 400 Besteigungen erlaubt; diese Tour sollten Sie in jedem Fall vorab buchen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Hier ist der frühe Aufstieg um 7 Uhr empfehlenswert, vor allem an heißen Tagen. Geübte Kletterer brauchen für den Aufstieg etwa 45 Minuten. Auf dem Rückweg stehen zwei Routen zur Auswahl; eine davon führt zu einer beeindruckenden Höhle auf der Rückseite des Berges.

Die Machu Picchu Tour

Wer sich lieber auf die Inspektion der Ruinen konzentrieren möchte, sollte über die Investition in eine professionell geführte Machu Picchu Tour nachdenken – auch die besten Bücher oder Apps kennen eben doch nicht alle historischen und architektonischen Details und geben vor allem keine lokalen Anekdoten preis.

Sie können bereits in der Stadt einen Führer für Ihre Machu Picchu Tour buchen; die meisten Hotels helfen bei der Auswahl. Aber auch vor den Toren der Ruinen bieten Führer ihre Dienste an – und sie sind eigentlich alle gut. Man erkennt Sie an den offiziellen Ausweisen des Kulturministerium, die sie gut sichtbar tragen müssen. Unterhalten Sie sich ruhig einen Moment mit dem Führer, um seine Sprachkenntnisse zu testen und zu sehen, ob sie gut miteinander auskommen – das ist ganz normal.

Für eine zweieinhalbstündige Machu Picchu Tour können Sie mit Kosten in Höhe von 140 Soles für ein bis zwei Teilnehmer rechnen; versuchen Sie diesen Preis nicht zu drücken, Sie werden ihn woanders nicht günstiger bekommen. Sind Sie zu Mehreren unterwegs, können Sie zu handeln beginnen, falls der Preis plötzlich extrem ansteigen sollte. Sie zahlen den Führer vorab; wenn Sie wirklich zufrieden waren, können Sie nach der Machu Picchu Tour noch ein Trinkgeld von 15 Soles oder mehr geben – es ist aber kein Muss.

Sollten Sie lieber auf eigene Faust das Gelände erkunden wollen, dann bringen Sie in jedem Fall einen Reiseführer mit, denn innerhalb der Ruinen sind keine erklärenden Schilder angebracht.

Machu Picchu

Machu Picchu

Essen & Trinken

Im Anschluss an die Machu Picchu Tour sollten Sie sich mit einem Lunch belohnen. Zwischen 10.00 Uhr und 14.00 Uhr wird es am vollsten, denn da sind die Tagesbesucher aus Cusco da – genau der richtige Moment, um dem Trubel zu entkommen.

Möglichkeiten zu Picknicken gibt es genug. Das Mitbringen von Essen und Trinken ist gestattet, es sollte nur nicht an den Ausgrabungsstätten ausgepackt werden. Große Rucksäcke dürfen nicht mit in die Anlage genommen werden; das Essen muss also mit Ihren anderen Dingen in einen kleineren Beutel passen. Alternativ gibt es eine Snackbar unmittelbar am Eingang, die sich ihre Monopolstellung allerdings angemessen vergüten lässt. Wer sich verwöhnen und beim Essen sitzen möchte, kehrt in die Sanctuary Lodge ein und bedient sich am dortigen Mittagsbuffet – das allerdings mit knapp 50 Dollar zu Buche schlägt.

Nehmen Sie sich am Nachmittag und frühen Abend die Zeit, einfach nur an verschiedenen Stellen ruhig zu sitzen und die Szenerie in sich aufzunehmen, die Inka-Brücke und das Sonnentor zu besichtigen. So finden Sie oft auch die schönsten Motive für Ihre Machu Picchu Bilder.

Auch den Rest des Tages sollte Sie ganz entspannt angehen – das und häufiges Trinken sind die besten Vorkehrungen gegen höhenverursachte Übelkeit. Nehmen Sie Kopfschmerztabletten mit, wenn Sie zu Migräne neigen und setzen Sie sich, wenn Ihnen schwindelig wird. Kokablätter-Tee ist das Geheimrezept und Wundermittel der Peruaner gegen die Höhenkrankheit und ihre Symptome – Sie sollten es ausprobieren.

Der Inka-Trail nach Machu Picchu

Ein Wort der Warnung vorab: Planen Sie diese Art der Annäherung an Machu Picchu nur, wenn Sie körperlich wirklich völlig fit sind. Sie werden für den Inka Trail Machu Picchu je nach Route zwischen zwei und vier Tagen unterwegs sein. Von Peruanern auch als Camino del Inka bezeichnet, führt der Inka Trail Machu Picchu Sie allerdings auch durch einige der schönsten Landschaften Perus. Entlang der Route sind immer wieder Inka-Ruinen zu sehen, oft geheimnisvoll halb versteckt, die die Vorfreude auf Machu Picchu noch steigern.

Organisation und Ausrüstung für den Inka Trail Machu Picchu

Denken Sie unbedingt an richtig gutes Schuhwerk! Sie werden entlang des Inka Trail Machu Picchu über viele verschiedene, herausfordernde Untergründe laufen, von dichtem Regenwaldboden über steile Felsen. Professionelle, wasserdichte Wanderschuhe sind ein Muss.

In jedem Fall sollte Sie Ihren Trip vorab buchen (siehe Links) und zwar am besten vier bis sechs Monate vor Reiseantritt – ansonsten ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie keinen Platz auf einer der Tuoren bekommen. Die tägliche Anzahl an erlaubten Wanderern ist limitiert und die peruanische Regierung verlangt von Reisenden den Erwerb eines sogenannten „Permits“. Vier Tage Inka Trail Machu Picchu kosten um die 550 Dollar. Sie können sich vor Ort einen Rucksack mieten oder sogar dafür bezahlen, dass Ihr Gepäck transportiert wird, um unbeschwerter gehen zu können.

Geheimtipp: Der Salkantay-Trek

Der Salkantay-Trek wurde vom National Geographic Adventure Travel Magazine zu einem der schönsten 25 Treks weltweit gewählt. Er startet in Mollepata bei Cusco und führt in fünf Tagen nach Machu Picchu. Auf dem Weg durchqueren Sie ebenfalls fruchtbaren Regenwald und schneebedeckte Bergwelten. Der Vorteil ist nur: Der Salkantay-Trek bedarf keines Permits und unterliegt noch keiner Beschränkungen. Sie werden also so gut wie immer einen Platz auf einer der Touren ergattern, auch kurzfristig.

Der Salkantay-Trek (Quelle: salkantay.org)

Der Salkantay-Trek
(Quelle: salkantay.org)

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Machu PicchuWozu diente Macchu Picchu?

War Machu Picchu das finale Inka-Refugium, königlicher Kurort oder öffentliche Kultstätte? Ganz wird dieses größte Rätsel um die Inka-Stadt wohl nie gelöst werden. Entdecker Hiram Bingham ging lange Jahre davon aus, dass es sich bei Machu Picchu um die legendäre letzte Hauptstadt des einst mächtigen Reiches gehandelt habe, den finalen Rückzugsort der Inka vor den spanischen Eroberern. Historische und archäologische Funde scheinen diese These seitdem widerlegt zu haben – doch einig sind sich die Wissenschaftler deshalb nicht. Wir stellen die wahrscheinlichsten und gewagtesten Thesen zum Ursprung von Machu Picchu vor.


Machu Picchu

Machu Picchu: Geheimnisvoller Ort inmitten der Anden

Machu Picchu: Geheimnisvoller Ort inmitten der Anden

Machu Picchu als das ‚falsche‘ Vilcabamaba

Hiram Bingham, der wissenschaftliche Entdecker von Machu Picchu, war mit dem Vorhaben nach Peru gereist, Vilcabamaba zu finden – die legendäre letzte Hauptstadt der durch die Spanier schon geschwächten Inka. Als Bingham auf Machu Picchu stieß, war er nicht sofort davon überzeugt, am Ziel seiner Suche zu sein. 1911 vermutete Bingham in der Inkastadt zunächst die Geburtsstätte der Inka-Kultur überhaupt. Später, nach der Analyse des Ortes und seiner Artifakte, revidierte er diese Ansicht. Nun schien es ihm am wahrscheinlichsten, dass es sich bei Machu Picchu in Wirklichkeit doch um Vilcabamba la Vieja handele. Alles schien zu passen: Die erschwerte Zugänglichkeit, die Größe, die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten.

Tatsächlich stellte sich dieser These aber noch zu Binghams Lebzeiten als Irrtum heraus. Machu Picchu liegt zu nahe an der ursprünglichen Inka Hauptstadt Cuzco; und wenn seine Architektur auch weitläufig und elaborat angelegt ist, so kann die Stätte doch nur etwa 600 Menschen bequem unterbringen.

Vilcabamba

Vilcabamba

Vilcabamba

Inzwischen ist das wahre Vilcabamaba auch gefunden. Es befindet sich in Espíritu Pampa, nahe dem Regenwald ungefähr 130 Kilometer westlich der Inka-Hauptstadt Cuzco. Ironischerweise hatte Bingham die Ruinen von Vilcabamaba 1911 selbst besucht. Er entschied jedoch, dass die etwa 20 sichtbaren Gebäude zu klein und zu wenig spektakulär seien, um als Zentrum gedient zu haben. Bei spätere Ausgrabungen in den 1960ern und extensiven kartographischen Analysen in den 1980ern stellte sich allerdings heraus, dass die ganze Stätte mit 400 bis 500 Gebäuden viel größer war, als ursprünglich von dem Entdecker angenommen.

Machu Picchu als Kultstätte der „Jungfrauen der Sonne“

Bingham und sein Team fanden eine ganze Anzahl an menschlichen Skeletten in Machu Picchu, die sie für weitere Untersuchungen in die USA verschifften. Dort wurden sie von George Eaton untersucht, der Anfang des 20. Jahrhunderts zu dem Ergebnis kam, es handele sich bei den Überresten fast nur um weibliche Knochen. Bingham formulierte daraufhin noch eine dritte Theorie zum Zweck von Machu Picchu. Die Stätte könnte, so meinte er, auch als zeremonielle Kultstätte für die „Jungfrauen der Sonne“ gedient haben – auserwählten Mädchen und Frauen, die dem Inkagott der Sonne, Inti geweiht wurden.

Inti Watana

Inti Watana, der Sonnenstein in Machu Picchu

Inti Watana, der Sonnenstein in Machu Picchu

Die Quechua Aclla Cuna oder auch Aklya Kona lebten unter der Obhut der Mama Cuna während des Inkareiches im Zölibat innerhalb von Tempelanlagen. Sie bereiteten rituelle Mahlzeiten zu, bewahrten das Heilige Feuer und stellten Kleidung für den Herrscher und rituelle Zwecke her. Die spanischen Eroberer stießen im frühen 16. Jahrhundert auf Tausende Aklya Kona, die mit acht bis zehn Jahren in Dörfern des ganzen Inkareiches aufgrund ihrer Schönheit ausgesucht und in die Tempel verbracht wurden, die sie bis zu sieben Jahren nicht verlassen durften.

Der Sonnenbeobachtung und Verehrung kam in Machu Picchu tatsächlich ein hoher Stellenwert zu – nicht zuletzt ist der Sonnenstein Init Watana der majestätischste Punkt der ganzen Anlage. Allerdings kippte die komplette Theorie endgültig im Jahr 2000, als ein Yale Forscher die Skelett-Überreste erneut untersuchte. Sie waren, stellte sich nun heraus, mitnichten alle weiblich. Stattdessen gab es so viele Männer wie Frauen darunter, die Eaton nur aufgrund des ungewohnt kleinen Knochenbaus der Inka für weiblich gehalten hatte. Inzwischen werden die Skelette für Überreste von Bediensteten und Helfern gehalten, die sich aufgrund der eigentlichen Bestimmung von Machu Picchu aus dem ganzen Reich dort hinkamen.

Machu Picchu als Sommerresidenz

1980 fanden Historiker ein Dokument aus dem Jahr 1568, weniger als 40 Jahre nach der Eroberung Perus durch die Spanier. Es handelt sich um eine Petition der Nachfahren des Inka-Herrschers Pachacutec Inca Yupanqui und richtet sich an den spanischen Gerichtshof. Darin wird behauptet, dass Yupanqui Ländereien an einem Ort namens Picchu besessen hätte, sehr in der Nähe des heutigen Machu Picchu.

Pachacutec Inca Yupanqui

Pachacutec Inca Yupanqui

Pachacutec Inca Yupanqui

Nachfolgende Analysen der Architektur von Machu Picchu sowie der dort gefundenen Artifakte (von einfachen Töpfen bis hin zu opulenten Messingspiegeln) weisen ebenfalls daraufhin, dass es sich bei Machu Picchu um ein Berg-Ressort des Inka-Herrschers gehandelt haben könnte – eine Anlage mit allem vorstellbaren Komfort, einschließlich privaten Steinbädern, kostbarem Geschirr und sorgfältig angelegten Orchideengärten zum Entspannen.

Tatsächlich passt diese Interpretation zum Lebensstil Pachacútec Yupanquis (in peruanischer Quechua-Schreibweise „Pachakutiq Yupanki“ bzw. „Cusi Yupanqui“ oder auch „Kusi Yupanki“, was immer ‚Weltenveränderer‘ heißt), der von 1438 bis 1471 neunter Herrscher über das Inkareich und ein sehr erfolgreicher Heerführer war. Machu Picchu könnte er um 1450 als persönlichen Rückzugsort angelegt haben. Die abgelegene Lage und die ungewöhnlich herausfordernde Architektur mag sich auch durch Pachakutiq erfolgreiches Bemühen erklären, die Infrastruktur des Inka-Reiches deutlich zu erweitern und neue Technologien auch zum Erbauen von Gebäuden auszuprobieren.

Yupanqui Statue

Yupanqui-Statue

Yupanqui-Statue

Die Yale Universitätsprofessoren Richard Burger und Lucy Salazar schlugen in den 1980ern sogar vor, es handele sich bei Machu Picchu um eine reine Sommerresidenz von Pachacutec. Burger verglich sie in einer vielzitierten Analogie mit Camp David, dem Wochenendquartier der U.S. Präsidenten: Ein Ort, an dem Erholung und diskrete, politische Treffen zusammenkommen. Yupanqui hat nicht etwa nur seine Familie, sondern höchstwahrscheinlich einen ganzen Stab an anderen ‚Aristokraten‘, Beamten und Staatsbediensteten in Machu Picchu beherbergt, nicht zu sprechen von den notwendigen Bediensteten. Dieser ‚Panaca‘ leistete dem Herrscher wochen- oder monatsweise Gesellschaft, erfüllte aber auch politische Dienste.

Diese These würde auch den geordneten Rückzug aus Machu Picchu erklären, der mit keinerlei Zerstörung oder Gewaltausübung einher ging. Denn als der Inka Herrscher etwa hundert Jahre vor dem Eintreffen der Spanier starb, könnte auch Machu Picchu seinen Sinn verloren haben und vergessen worden sein. In der Inka Kultur war es ein bekanntes Phänomen, dass die Herrscherhäuser nicht weitervererbt, sondern leer gelassen wurden, wenn ihre Bewohner verstarben.

Machu Picchu als mythologischer Pilgerort

In den letzten dreißig Jahren sind allerdings akademische Stimmen laut geworden, die diesen Erklärungsansatz zwar für richtig, aber nicht vollständig halten. Einerseits ist die Positionierung auf einem Bergrücken einfach zu symbolisch für ein Volk, das Berge als Götter verehrte, um nicht auch eine spirituelle Komponente zu beinhalten.
Machu Picchu
Machu Picchu könnte im wahrsten, geographischen Sinne ein „heiliges Zentrum“ inmitten der Anden gewesen sein – denn die heiligen Gipfel, ‚Apus‘ auf Quechua, liegen unmittelbar in allen Himmelsrichtungen um die Stadt herum. Nicht nur dass: Der für die Inka-Kosmologie so wichtige Urubamba-Fluss windet sich wie ein schützendes Band um die gesamte Bergbasis, auf der Machu Picchu errichtet wurde.

Zudem sind auffallend viele der Bauwerke in Macchu Picchu zeremoniellen, heiligen Riten gewidmet. Die Inkas beteten die Natur als Ganzes und im Speziellen die Sonne an. Von oben betrachtet wird schnell deutlich, wie perfekt Machu Picchu in seine natürliche Umgebung eingebettet und wie sensibel die Architektur als Antwort auf die Umgebung gestaltet ist.

Der Sonnentempel in Machu Picchu

Der Sonnentempel in Machu Picchu

Während der Sonnenwende im Juni geht die Sonne direkt oberhalb eines Gipfels im Osten von Machu Picchu auf. Dabei schießt sie einen Lichtstrahl durch ein Fenster des spektakulären, halbrunden Sonnentempels, wo er ein perfektes Rechteck abbildet. Einige Archäologen glauben, dass der Sonnenstein an dieser Stelle einst eine goldene Statue des Herrschers Pachacutec beherbergte.

In diesem Zusammenhang wird der berühmte Inka Trail als Pilgerreise interpretiert, die allen Inka die Möglichkeit geben sollte, in Machu Picchu an zeremoniellen Festen teilzunehmen. Er könnte die Reise der Inka-Urahnen vom Titikakasee in Bolivien bis zur spätere Hauptstadt Cuzco symbolisieren. Machu Picchu wäre laut dieser Interpretation ein öffentlicher Ort der Verehrung und eine kosmologische Kultstätte gewesen.

Oder doch eine Kombination aus allem?

Bis vor kurzem haben sich fast alle historischen, archäologischen und ethnologischen Erklärungsversuche für den Zweck von Machu Picchu entweder auf einen pragmatischen oder einen spirituellen Ansatz gestützt. Aktuell setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass diese beiden Zwecke innerhalb von Machu Picchu vielleicht Seite an Seite existiert haben. Die Inka unterscheiden nicht zwischen Kirche und Staat; ihre Religion war holistisch angelegt und betonte die Integration von Himmel und Erde, Natur und Mensch. Hinzu kam, dass jeder Inka-Herrscher zugleich heilig war – und dass seine Wohn- und Regierungsstätte so ebenfalls durch seine reine Anwesenheit geheiligt wurde.

Sicher werden wir nie wissen, wozu Machu Picchu ursprünglich erbaut wurde und welchen Zwecken es im Laufe seiner Geschichte diente. Aber jeder Besucher wird von der mysteriösen, spirituellen Präsenz der Bauten und der atemberaubenden Örtlichkeit Machu Picchus sofort derart in den Bann gerissen, dass diese Ruinenstätte der Inka auch heute noch wie eine natürliche Kathedrale wirkt.

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Machu Picchu – Bautechnik voller Faszination

Baukunst in Machu Picchu

Bedenkt man, dass Machu Picchu innerhalb von 90 Jahren, zwischen 1450 und 1540, auf einem Bergkamm der peruanischen Anden in 2.430 Metern Höhe von einem Volk gebaut wurde, das weder das Rad noch Metallinstrumente kannte – dann grenzt dies allein schon an ein Weltwunder.

Konstruiert wurde die Mehrzahl der Gebäude der Inka-Stadt aus Mauern variierender Größe, die aus aufeinander geschichteten, exakt in Form gebrachten Steinen bestehen. Die Bausteine schmiegen sich ohne jeden Gebrauch von Mörtel so solide aneinander, dass sie die Jahrhunderte ohne Verschiebungen oder nennenswerte Abtragungen überstanden haben. Diese Bautechnik des Quader- oder Trockensteinmauerwerks war eine Spezialität der Inka-Architektur (nicht nur in Machu Picchu) und nicht zuletzt der hohen Erdbebenwahrscheinlichkeit in der Region geschuldet, denn Strukturen ohne Mörtel sind wesentlich erdbebenresistenter.

Die Beweglichkeit der Steine – ein weiteres Geheimnis von Machu Picchu

Durch das Umland von Machu Picchu laufen gleich zwei Erdverwerfungslinien; die Inka-Stätte liegt genau zwischen ihnen. Berühmt geworden sind die Quader von Machu Picchu deshalb auch als „tanzende Steine“. Tritt ein Erdbeben auf, bewegen sich die Steine im Rhythmus der Erdbewegung, statt sich ihr starr entgegenzusetzen und so zu brechen. Danach setzen sie sich wieder in ihrer ursprünglichen Position zur Ruhe. So überdauerten zwar nicht die strahlend weiße Farbe der Quader oder die golden schimmernden Dächer die Zeit – die architektonische Struktur aber blieb zeitlos stabil.

Perfekte Quadermauer in Machu Picchu

Perfekte Quadermauer in Machu Picchu

Wer sich Zeit nimmt in Machu Picchu, entdeckt entlang der Trockensteinmauern noch eine ganze Anzahl weiterer, subtiler Gestaltungsdetails: sanft gerundete Ecken statt scharfer Häuserkanten, eine leichte Neigung der Raumecken zur Mitte hin, und wie ein „L“ geschnittene Quadersteine, die zur Verbindung aufeinanderstoßender Mauern-Ecken dienen. Insgesamt erheben die Wände sich nicht kerzengerade, sondern sind von Reihe zu Reihe minimal versetzt. In der Summe haben diese scheinbaren Details die Lebensdauer von Machu Picchu über die Jahrhunderte gewährleistet.

Enorme Bauleistung ohne Rad oder Metall

Bis heute fasziniert Archäologen und Historiker die Tatsache, dass die Inka-Zivilisation allem Anschein nach keine Räder nutzte, um die massiven Granitquader zu bewegen, aus denen die Mauern von Machu Picchu errichtet sind. Es deutet nichts darauf hin, dass das Rad als Fortbewegungs- und Transportmittel erfunden worden war, selbst wenn die Inkas die runde Form als solche in der Kunst nutzten. Auch für das Vorhandensein von Metallwerkzeugen und Nutztieren als Zugmittel für den Bau von Machu Picchu wurden bis heute keine Indizien gefunden.

Machu Picchu fugenlose Mauern

Zwischen diese Steine passt auch nach Jahrhunderten kein Blatt

Die strahlend weißen Granitsteine selbst stammten aus nächster Nähe der heutigen Machu Picchu Ruinen, von einer das Gelände durchlaufenden Granitader. Im noch heute offenen Steinbruch gefundene, halb bearbeitete Brocken weisen auf die Fertigungstechnik der Quader hin. In Abwesenheit von Metallwerkzeugen beklopften die Inka die Steine offensichtlich so lange mit geeigneten kleineren Steinen, bis eine Hohlkehle entstand und der Brocken sich schließlich aufspaltete. Dieser wurde dann mit kleineren Steinen weiter bearbeitet, bis er die gewünschte Form hatte.

Wir wissen nicht mit absoluter Sicherheit, mit welchen Mitteln die Inka die Bausteine von Machu Picchu an ihren Platz beförderten. In Frage kommen zwei Techniken, die vielleicht auch kombiniert wurden. Entweder der Stein wurde auf mehrere Holzstämme gelegt, mit dicken Tauchen umwickelt und mit Manneskraft auf den rotierenden Stämmen bis zum Einsatzort gezogen. Alternativ könnten sich die Inka auch die Regenzeit und den dabei aufgeweichten Boden zu Nutze gemacht haben. Auf dem nassen, schlüpfrigen Untergrund könnten sie die Steine auf verschlammten Ziehpfaden ohne allzu große Reibung geschleift haben. Eins ist in beiden Fällen sicher: Sie ließen sich nur mit enormer Muskelkraft und der Hilfe Tausender Männer über die Jahre bewerkstelligen.

Am Ort ihrer Bestimmung wurden die Steine angehoben und unter dem Einsatz von Tragbalken und Keilsteinen, die zwischen die Steine geschoben wurden, präzise platziert. Erst wenn zwei Steine die perfekte Position aufeinander gefunden hatten, wurden die Hebel abgeschmirgelt oder entfernt. An sehr wenigen, aber historisch aufschlussreichen Stellen innerhalb von Machu Picchu können Sie noch Ecksteine finden, bei denen diese Prozedur nicht vollständig ausgeführt wurde – eine spannende Schnitzeljagd für jeden Hobbyarchäologen.

Ein perfektes Wasserversorgungs- und Abwassersystem

machu-picchu-wasserkanalDas Wasser spielt in der architektonischen Geschichte von Machu Picchu eine zentrale Rolle. Bereits in der Planungsphase der Anlage musste diesbezüglich auf drei Faktoren Rücksicht genommen werden. Wie sollte einerseits die kontinuierliche Wasserversorgung einer Stadt für zeitweilig bis zu 1.000 Einwohnern und Reisenden sicher gestellt werden? Andererseits mussten die Erbauer von Machu Picchu dafür sorgen, dass die teilweise sinnflutartigen Regenfälle auf dem Bergplateau zuverlässig abgeleitet würden. Nicht zuletzt war das Wasser, wie alle Naturelemente, für die Inka eine Quelle der Spiritualität, der im Gesamtbild des Stadt entsprechend Tribut gezollt werden sollte.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Inka vor Rodung der Bäume und Freilegen der Baufläche zunächst die glücklicherweise vor Ort vorhandene (und bis heute zuverlässig fließende) Inka-Quelle genau beobachtet haben: Wie ergiebig war sie und wie sehr fluktuierte die von ihr geführte Wassermenge übers Jahr?

Aus ihren Beobachtungen resultierte eine hydraulisch faszinierend genaue Planung, nach der ganz Machu Picchu von einem unglaublich ausgefeilten und durchdachten Kanalsystem durchzogen ist. Der Kanal ist exakt in der richtigen Breite und Tiefe und mit dem entsprechenden Verlauf aus den Steinen geschlagen, um den Quellenertrag zu fassen. Seine Gesamtlänge von 760 Metern und der Neigungswinkel von drei Prozent sowie die Ausmaße der zum System gehörigen Brunnen entsprechen genau der Summe aus dem Fließwasser sowie dem sich unter Umständen sammelnden Regenwasser.

Brunnen in Machu Picchu

Brunnenbecken und Ohrenschmaus

Nehmen Sie sich die Zeit und gehen Sie mit offenen Ohren durch Machu Picchu; denn dieser Sinn hat eine bedeutende Rolle in der Wertschätzung der heiligen Natur des Wassers für die Inka gespielt. Nicht nur sollte das fließende Wasser allgegenwärtig sein, sich im Wechsel des Lichteinfalls, der Sonne und des Mondes spiegeln. Auch die konstant präsente Melodie rauschenden, fallenden, tropfenden, strömenden Wassers umhüllt den aufmerksamen Betrachter bei jedem Schritt. In dieses Konzert des im Kanal vorbeifließenden Nasses mischte sich das Echo des am Fuße des Berges sich windenden Urubamba Flusses. Unmittelbar außerhalb der Umfriedung von Machu Picchu findet sich ein überhängender Felsen, der eine besondere akustische Bewandtnis hat. Er fängt die Geräusche des Urubamba Flusses auf und verstärkt sie deutlich hörbar.

Urubamba Fluß Machu Picchu

Spiegel des Kanals von Machu Picchu – der das Tal durchziehende Urubamba Fluß

Gefahr und Geschenk für Machu Picchu: Das Regenwasser

Das Regenwasser war in der Hinsicht wertvoll, als es die Trinkwasservorräte ergänzte. Gleichzeitig stellte es aber auch eine potenzielle Gefahr für das gesamte Machu Picchu Projekt dar. Denn die Regenfälle an diesem speziellen Ort der Welt konnten massiv sein. Die Dächer der Behausungen in der sogenannten urbanen Sektion Machu Picchus waren aus Reet und so verlegt, dass sie herunter strömenden Regen auf den Boden weiterleiteten. Dort allerdings durfte er sich nicht sammeln, um das Gelände nicht in Matsch zu verwandeln und Erosionen zu verursachen. Deshalb hatten die Inka etwa 130 Entwässerungslöcher in den Wänden angelegt, die offensichtlich von Anfang an in die Planung mit einbezogen waren und nicht etwa als nachträgliche Reaktion auf eine Katastrophe eingefügt wurden.

Etnwässerung in Machu Picchu

Sorgfältig ausgespartes Entwässerungsloch

Darüber hinaus musste für die vom Himmel geschickten Wasserfluten aber auch noch eine grundlegende Lösung gefunden werden, damit nicht schon das Fundament von Machu Picchu ihnen zum Opfer fiel. Denn auch wenn die Inka-Herrschaft schlussendlich nur etwa Hundert kurze Jahre angedauert hat: Machu Picchu wurde für die Ewigkeit konzipiert – schließlich war es ein Ort der Götter ebenso wie der Menschen. In diesem Licht wird der Aufwand verständlich, mit dem eines der raffiniertesten aber auch aufwändigsten Ablaufsysteme geschaffen wurde, die sich denken ließen: Terrassenbauten.

Das Terrassensystem von Machu Picchu

Die beeindruckenden, schon von weit her sichtbaren, etwa 700 Terrassen, die Machu Picchu umgeben, dienen mehreren Funktionen. Sie mussten als allererstes angelegt werden, da sie zur Stabilisierung des von Erdrutschen gefährdeten Bauplatzes dienten und gleichzeitig die sintflutartigen Regenfälle (beeindruckende 1933 mm pro Jahr) nach unten ableiten mussten. Ohne diese Form der Drainage würde das komplette Gelände regelmäßig in eine Schlammlandschaft verwandelt werden, die nach und nach den gesamten Komplex hätte in die Tiefe reißen können.

Archäologen haben erst in jüngerer Zeit herausgefunden, dass jede der durchschnittlich zwei Meter tiefen und dreieinhalb Meter hohen Terrassen aus mehreren Schichten besteht. Die oberste Schicht ist Muttererde, vermischt mit winzigen Granitkörnern als Sickerhilfe und tief genug, um auch dem Ackerbau zu dienen. Dann folgt eine Sandschicht, anschließend eine Kiesschicht und zum Abschluss eine Schicht aus größeren Gesteinsbrocken. So kann das Regenwasser langsam nach unten in den Boden versickern, statt einfach an der Oberfläche den Hang hinabzuströmen und die Erdoberfläche zu erodieren.

Perfektes Fundament in Machu Picchu

Bis heute das Fundament von Machu Picchu

Gleichzeitig dienten die Terrassen auch dem Pflanzenanbau und somit der teilweisen Lebensmittelversorgung der der Inka-Stätte. In der jetzt von Gras bewachsenen Muttererde ist heute noch ein hoher Nährwertgehalt messbar. Wahrscheinlich ist deshalb, dass diese zumindest teilweise aus dem Tal nach oben transportiert worden war. Die Art der Bepflanzung könnte diesen Aufwand gerechtfertigt haben: Den neben den allgegenwärtigen Mais- und Cocapflanzen wurden wohl auch Orchideen und farbige Blumen zum ästhetischen Vergnügen kultiviert.

Die zwei Sektoren von Machu Picchu

Sektorn in Machu PicchuNicht nur auf den Terrassen des Berghangs wurde zur Zeit der Inka in und um Machu Picchu Ackerbau betrieben. Generell ist Machu Picchu in zwei Sektoren geteilt: den landwirtschaftlich genutzten im Süden und den urbanen im Norden. Beide Nutzungsmöglichkeiten waren allerdings nur möglich, weil Machu Picchu auf einem soliden Fundament ruht. Eine wahre architektonische Meisterleistung, wenn auch fast völlig unsichtbar: Ingenieure schätzen heute, dass 60% der gesamten Inka-Anlage unterhalb der Erde den Blicken entzogen liegt. Um das weite Plateau zwischen den beiden Bergen gleichzeitig plan und solide zu gestalten, wurden tiefe Fundamente ausgehoben und mit zerkleinerten Steinen aufgefüllt. Auch deren Schichten dienten gleichzeitig als Drainage für die Regenmassen, die Machu Picchu sonst in der Regenzeit buchstäblich fortgespült hätten.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Machu Picchu zogen sich über die gesamte Länge der Berghänge auf den beschriebenen Terrassen. Gleichzeitig war Machu Picchu über acht verschiedenen, gut gesicherte breite Pfade und Straßen mit dem Tal und anderen, fruchtbaren Regionen verbunden. Auch auf diesem Weg war eine Versorgung der Bewohner mit frischen Lebensmitteln gesichert.

Innerhalb der Stadt waren die Ackerbau- und die urbanen Flächen durch eine 400 Meter lange Wand klar voneinander abgegrenzt. Entlang der Wand zieht sich zusätzlich ein Graben, der gleichzeitig ebenfalls der Entwässerung diente. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich nicht um eine Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen oder der Arbeiterschaft. Vielmehr wurden Wand und Wassergraben offensichtlich als eventuelles Schutzsystem gegen Eindringlinge entworfen; auch das in der Wand vorhandene Tor zeigt sich ungewöhnlich verstärkt.

Der sich im Südosten erstreckende, landwirtschaftliche Sektor der Anlage besteht aus einer Serie von Terrassen in erstaunlich variierenden Formen und Größen. Der obere Teil umfasst etwa 40, der untere etwa 80 Terrassen. Sie werden von einem Pfad durchschnitten, der den von Intipunku kommenden Inka-Trail fortsetzt.

Wachposten in Machu Picchu

Das Wachhäuschen

Von diesem faszinierenden Gebäude mit seinen lediglich drei Wänden lassen sich nicht nur die Terrassen, sondern das komplette Gelände mühelos überblicken.

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