Online-Poker in Peru – Wie sieht die gesetzliche Regulierung aus?

Peru ist sicherlich kein Land, das in der öffentlichen Wahrnehmung für seine Online-Pokerszene bekannt ist. Dennoch ist der Staat in Lateinamerika dem digitalen Glücksspiel gegenüber relativ progressiv eingestellt. Seit 1979 besteht ein separates Gesetzesdekret, das sich einzig und allein der inländischen Glücksspielbranche verschreibt. Mit dem Pokerhype um die Jahrtausendwende wurde die Szene auch im Netz immer aktiver und relevanter. Aus diesem Grund startete Peru bereits im Jahr 2008 mit der Vergabe von Lizenzen für Online-Casinos.

Ein Pokerspieler guckt sich sein Blatt an

Pokern im Internet ist auch in Peru sehr beliebt unter der Spielergemeinde. Bildquelle: Michał Parzuchowski / unsplash

Die Politik in Peru war sich zwar bereits früh um die steigende Relevanz des Online-Glücksspiels bewusst und führte entsprechende Regulierungen ein, dennoch sind Poker und andere Casinospiele im Netz keinen Restriktionen unterworfen. Nach aktueller Gesetzeslage ist es möglich, Spielautomaten, Tischspiele, Sportwetten und eben Poker im Internet ohne Einschnitte durch die Legislative zu genießen. Wo dabei genau Online-Poker mit echtem Geld gespielt werden kann, vergleicht diese Seite.

Online-Glücksspiel in Peru

Staatliche Konzessionen sowohl für inländische als auch ausländische Online-Casinos vergibt Peru seit 2008. Drei Jahre später wurde der Prozess der Lizenzvergabe nochmals angepasst, um einen stärkeren Spielerschutz und eine höhere Transparenz zu gewährleisten. So sind alle lizensierten Anbieter dazu verpflichtet, jedwede Transaktionen auf bestimmten Servern festzuhalten, damit die Behörden alle Ein- und Auszahlungen nachvollziehen können.

Trotz des Versuchs der Transparenzschaffung ist die Umsetzung des Vorhabens nicht ganz fehlerfrei, was wiederum eine äußerst liberale Gestaltung des Online-Glücksspielmarkts nach sich zieht. Das ist grundsätzlich auch nicht weiter verwunderlich, da das Glücksspiel ein fester Bestandteil der peruanischen Kultur ist. Das lateinamerikanische Land verfügte bereits vor dem Zeitalter der Digitalisierung über eine florierende Glücksspielbranche. Das populärste Glücksspiel in Peru ist „La Tinka“ ein Spiel das vergleichbar mit dem deutschen Lotto ist.

Als Instanz für die Lizenzvergabe und für die Überwachung aller inländischen Glücksspielaktivitäten dient das General Directorate of Casino Games and Slot Machines (DGJCMT), das wiederum dem Ministerium für Außenhandel und Tourismus untersteht.

Glücksspiellizenz in Peru

Das DGJCMT stellt sicher, dass alle Lizenzinhaber die auferlegten Qualitätsstandards erfüllen. Auf dem Papier sind vor allem inländische Glücksspielanbieter streng reguliert. Für Betreiber aus dem Ausland gelten zwar die gleichen Spielregeln, in der Praxis kommen jedoch kaum bis gar keine Regularien zum Tragen. Auch wenn im Allgemeinen die festgelegten Standards gelten, die an die staatliche Konzession geknüpft sind, greifen weitere Sicherheitsmechanismen jedoch nicht.

Das erste ausländische Unternehmen, das sich eine peruanische Glücksspiellizenz gesichert hat, war der britische Branchenvertreter Bettson. Der renommierte Konzern steht für erstklassige Casinoprodukte – sowohl off- als auch online. Allerdings tummeln sich auch geduldete Glücksspielunternehmen auf dem peruanischen Markt, die über keine Lizenz verfügen. Das soll zwar den liberalen Wettbewerb anheizen, birgt jedoch auch ein gewisses Risiko. Aus diesem Grund ist es unabdinglich, ausschließlich auf lizensierten Plattformen Online-Poker zu spielen.

Welche Formen des Online-Glücksspiels sind erlaubt?

Seit der Lizenzvergabe für das Online-Glücksspiel gehört Peru zu den führenden lateinamerikanischen Staaten in diesem Bereich. Sowohl in- als auch ausländische Glücksspielanbieter können dabei ihr gesamtes Spieleportfolio auf dem digitalen peruanischen Markt anbieten. Es gibt keinerlei Restriktionen. Die Top-Angebote gibt es in der folgenden Übersicht:

  • Sportwetten; einschließlich aller professionellen Sportarten (lokal, national oder im Ausland)
  • Spielautomaten aller Art
  • Tischspiele wie Roulette, Blackjack, Baccarat und Co.
  • Poker, Kartenspiele, Lotterie und Bingo
  • Andere Glücksspiele wie Craps, Keno, Rubellose und Sofortgewinnspiele
  • Live-Casinos
  • Wetten auf Pferderennen

Zeiten des Wilden Westens vorbei?

Derzeit gleicht der peruanische Online-Glücksspielmarkt dem Wilden Westen. Video-Poker und andere digitale Glücksspielarten sind im Grunde nur an die staatliche Konzession gebunden. Strengere Regularien existieren, wenn überhaupt nur in der Theorie.

Das könnte sich jedoch bald ändern. In der jüngeren Vergangenheit berichteten peruanische Medien, dass das Ministerium für Außenhandel und Tourismus aktuell an einem Gesetzesentwurf arbeite, der Glücksspiel und Sportwetten im Internet neu regulieren soll. Das zuständige Ministerium habe dabei erklärt, dass es in naher Zukunft Treffen mit verschiedenen Behörden, Branchenvertretern und anderen involvierten Parteien geben soll. Durch einen gemeinsamen Dialog auf Augenhöhe solle eine einheitliche Regulierung des Online-Glücksspielmarkts erreicht werden.

Weiterhin habe das Ministerium dem Gerücht einen Riegel vorgeschoben, dass in Kürze sämtliche Online-Sportwettenanbieter vom Markt verbannt werden sollen. Diese Behauptung umtreibe bereits seit einiger Zeit die nationale Glücksspielbranche und habe für ordentlich Tumult bei sämtlichen Parteien gesorgt.

Experten kritisieren Kontrollverlust

Laut Auffassung verschiedener Glücksspielexperten, Wissenschaftler und Forscher befände sich der Status quo des peruanischen Online-Glücksspielmarktes sich in einem unausgewogenen und nicht akzeptablem Zustand. Da heutzutage jeder in Peru ohne Einschränkungen von einem Smartphone, Tablet oder Computer aus Poker, Blackjack, Roulette, Slots und andere Spiele zocken kann, sei längst ein Status des Kontrollverlustes eingekehrt.

Niemand wisse mehr, woher die Unternehmen stammen, die das Online-Glücksspielangebot in Peru offerieren. Meist befänden sich die Konzerne auf den Bahamas, Barbados oder in einem anderen Steuerparadies.

Franklin Gutiérrez Merino, Autor des Buches Hacia una regulación de los juegos de azar por internet (Engl.: Towards a normative regulation of internet gambling), nimmt den Staat in die Pflicht, an der derzeitigen Situation etwas zu verändern. Die Politik habe keinen Überblick mehr über den inländischen Online-Glücksspielmarkt und verfolge ausschließlich finanzielle Interessen. So hätten digitale Casinospiele allein im Jahr 2017 einen Gesamtumsatz von umgerechnet 64 Millionen Euro zu verantworten, die wiederum in den peruanischen Staatssäckel gewandert seien.

Forderungen nach Restriktionen

Ähnlich wie in Peru verfolgt auch ein großer Teil des europäischen Glücksspielmarktes eine liberale Handhabung des Online-Segments. Allerdings setzen Staaten wie Deutschland, Spanien, Niederlande und Frankreich dabei auf regulierende und restriktive Maßnahmen, um eine gesunde Kanalisierung zu gewährleisten. Bereiche wie Spieler- und Jugendschutz, Seriosität, Suchtprävention sowie Betrugsvereitlung werden dabei groß geschrieben.

Eine ähnliche Entwicklung fordern auch Experten wie Merino für Peru. Der peruanische Staat wisse derzeit nicht einmal, wie viele Bürgerinnen und Bürger im Land Online-Poker oder andere digitale Glücksspiele zocken. Das müsse sich schleunigst ändern. Vor allem der Spieler- und Jugendschutz bleibe durch die nicht vorhandene Regulierung auf der Strecke. Gefährdete und minderjährige Spielende könnten ohne Probleme per mobilem Endgerät in Online-Casinos zocken. Es gäbe schlichtweg keine Hürde oder Kontrollinstanz, die das verhindern könnte. Im schlimmsten Fall werde sogar auf Plattformen gezockt, die nicht einmal über eine staatliche Konzession verfügen.

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