Zeitreise durch die Geschichte Perus

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Auf dem Kontinent Südamerika, gleich neben dem lebensfrohen Brasilien, befindet sich Peru. Ein faszinierendes Land voller Geschichte und landschaftlicher Schönheit. In den nächsten Zeilen tauchen wir gemeinsam in die peruanische Vergangenheit ein – und schauen uns nicht zuletzt einige Politiker etwas genauer an, die in der Geschichte Perus ihre Finger mit im Spiel hatten.

Höhlenmalereien in der Region rund um die Stadt Ayacucho und den Lauricocha-Höhlen belegen, dass etwa 20.000 bis 10.000 vor Christus die Einwanderung der ersten Einwohner stattfand. Nach langen Wanderungen über die damals noch trockene Beringstraße gelangten diese Siedler auf den amerikanischen Kontinent und nahmen auch das heutige Peru für sich ein.

Als älteste Stadt auf dem ganzen amerikanischen Kontinent gilt die Siedlung Caral, welche etwa 700 km entfernt von Ayacucho liegt. Bei Ausgrabungen wurden Häuser für etwa 3.000 Menschen, Amphitheater und Tempelanlagen gefunden. Sogar ein Handel mit den Küsten- und Amazonasgebieten kann heute nachgewiesen werden. Mit all diesem Wissen und ein bisschen Fantasie kann man sich also recht bildhaft vorstellen, wie das Leben der ersten Einwohner ablief.

Peru: Ein Land kulinarischer und kultureller Vielfalt seit Anbeginn

Zeitreise durch PeruUnsere Zeitreise beginnt etwa um 12.000 vor Christus. Archäologische Funde belegen, dass im Gebiet des heutigen Peru bereits zu dieser Zeit unsere Vorfahren lebten. Zunächst waren es einfache Jäger und Sammler ohne festen Wohnsitz. Der sich nach und nach entwickelnde Ackerbau und die endlich hinzukommende Viehzucht führten schließlich zur Sesshaftigkeit.

Die damalige Landwirtschaft warf bereits all die Köstlichkeiten ab, für die die peruanische Küche heute noch bekannt ist, wie Mais, Erdnüsse, Maniok und Kürbisse. Auch kann nachgewiesen werden, dass die damaligen Bauern bereits die Technik der künstlichen Bewässerung kannten, was wohl vieles erleichterte und eine stete Entwicklung der Zivilisation mit ermöglichte.

Bis etwa zum Jahr 1534 nach Christus entstanden unzählige Völker mit eigenen Bräuchen, Mythologien und Lebensarten. Die „Moche“, die „Luz“, die „Wari“ und auch das wahrscheinlich bekannteste peruanische Volk, die „Inka“, sind nur einige der kulturellen Gemeinschaften, die damals ihre Geburtsstunde hatten. Eine Gesamtschau diese vielfältigen Kulturen hat allerdings mehr als ein paar Zeilen verdient. Wir schauen uns dieses Kapitel der peruanischen Geschichte deshalb gesondert an und tauchen an dieser Stelle weiter in die Vergangenheit Perus ein.

Francisco Pizarro und die Kolonialzeit

Eroberer Perus: Francisco Pizarro

Machen wir einen kleinen Zeitsprung, zu einem dunkeln und prägenden Kapitel peruanischer Geschichte: der Eroberung durch die Spanier. Unter der Führung von Francisco Pizarro eroberten diese Kolonialmacht, von jenseits des Ozeans kommend, das damalige Reich der Inka und das heutige Peru – und zwar tatsächlich ohne Rücksicht auf Verluste.>

Im Jahr 1532 wird der Inka Herrscher Atahualpa von den spanischen Eroberern gefangen genommen. Für seine Freilassung verlangen die Spanier einen ganzen Raum voller Gold und Silber. Die Untertanen des Königs halten sich an ihren Teil der Abmachung. Sie überschütten die Eindringlinge regelrecht mit den wertvollen Edelmetallen, welche damals für die Peruaner keinen materiellen Wert besitzen, aber mit symbolischer Bedeutung aufgeladen sind. Doch anstatt Atahualpa die Freiheit zu schenken, lässt Pizarro ihn am 29. August 1533 hinrichten. Dieser grobe Verrat läutete den Beginn der spanischen Herrschaft in ganz Peru ein.

Nach dieser Zementierung seines absoluten Expansionswillens zieht Pizzaro von der peruanischen Küste weiter in die damalige Hauptstadt Cuzco. Diese wird ihm und seinem Mitstreiter Diego de Almagro el Viejo von einem Volk im Schockzustand ohne großen Widerstand übergeben. Die spanische Krone eroberte auf diese Weise schlussendlich das gesamte Reich der Inka. Erst 1535 kam es zu einem Rückeroberungsversuch Cuzcos, der allerdings misslang und eine fast vollständige Zerstörung der Stadt durch die Spanier nach sich zog.

Pizzaro gründete am 18. Januar 1535 die heutige Hauptstadt Lima. Nach mehreren Auseinandersetzungen mit seinem Kampfgefährten Almagro lässt Pizzaro auch ihn im Jahr 1538 hinrichten. Als Konsequenz späte Konsequenz dieses Mordes findet er selbst am 26. Juni 1541 in seinem eigenen Palast in Lima einen gewaltsamen Tod. Die Geschichte Perus ist also, wie so viele Landesgeschichten dieser Welt, von Machtkämpfen gesäumt.

Das Vizekönigreich Peru

1542 riefen die Spanier das Vizekönigreich Peru aus und bestimmten Lima zur Hauptstadt. Es erstreckte sich zunächst wie das vorherige Inkareich über die heutigen Länder Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Bolivien. Auch Chile, Argentinien und Paraguay gehörten dazu. Der letzte Inka-König mit dem Namen Tupac Amaru wurde 1572 besiegt und anschließend hingerichtet.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein herrschte das damalige Vizekönigreich Peru beinah über ganz Südamerika. Die letzten einheimischen Indianer waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits fast vollständig ausgerottet oder versklavt worden. Die neue Hauptstadt Lima entwickelte sich mit der Zeit zum wichtigsten Handelshafen hinter Europa. Zu verdanken war dies dem hohen Vorkommen nicht nur an Silber, sondern auch dem immer stärker nachgefragten Quecksilber.

Auch im Zusammenhang mit der allmählichen Erschöpfung der Edelmetallvorkommen, gründeten sich im 18. Jahrhundert neue spanische Vizekönigreiche. Den Anfang machte Neugranada, welches 1717 gegründet wurde und auf dem Gebiet der heutigen Länder Ecuador, Kolumbien, Panama und Venezuela entstand. 1776 entstand das zweite Vizekönigreiche namens La Plata, welches sich über die heutigen Länder Uruguay, Nord-Argentinien, Bolivien und Paraguay erstreckte.

Perus Unabhängigkeit

Kurz nach dieser zweiten Gründung kam es im Jahr 1780 zum ersten großen Aufstand. Das peruanische Volk wehrte sich gegen die spanischen Kolonialherren und Großgrundbesitzer. Indigene Bauern und Einwohner forderten wieder mehr Rechte am und im eigenen Land.

Angeführt wurde der Aufstand von José Gabriel Condorcanqui, auch bekannt als José Gabriel Tupaq Amaru. Zwar wurde diese spezielle Revolte niedergeschlagen. Sie war aber als erste große Widerstandsbewegung der Auftakt für viele weitere in ganz Südamerika. Im Jahr 1824 wurden die Spanier dann endgültig aus dem heutigen Peru vertrieben – nicht zuletzt, weil das bis dahin unabhängige Chile und Argentinien großes Interesse an einem freien Nachbarstaat hatten.

Ein weiteres Jahr später folgte dann die Erklärung der Unabhängigkeit für Peru und Bolivien. 1845 stabilisierte sich die innenpolitische Lage. Die Sklaverei wurde durch das damalige Staatsoberhaupt, den General Ramón Castilla, endgültig abgeschafft. Als Ersatz für die nun fehlenden Sklaven wurden 100.000 Asiaten als Arbeiter nach Peru geholt.

Der General baute nebenbei auch den Handel mit Guano-Dünger und Salpeter aus. Die wirtschaftliche Lage im Land stabilisierte sich damit zunehmend. Heute gilt Castilla deshalb als eigentlicher Staatsgründer von Peru. Zwar unternahmen die Spanier in den Jahren 1864 und 1897 erneute Versuche, die Macht im Land wieder an sich zu reißen. Doch ihnen war kein Erfolg beschieden. Viel fataler wirkte sich der sogenannte „Salpeterkrieg“ aus, der zwischen 1879 und 1883 im Land wütete. Im seinem Zuge verlor Peru die rohstoffreichen Provinzen Arica und Tarapacá an Chile. Auch die Provinz Tacna blieb bis zum Jahr 1929 in chilenischen Händen. Die hieraus resultierende schlechte Wirtschaftslage im Land führte dazu, dass immer mehr peruanische Unternehmen und Betriebe von amerikanischen und englischen Investoren übernommen wurden.

Vom 20. Jahrhundert in die Gegenwart

PeruMit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte auch ein Wiederaufschwung der peruanischen Wirtschaft. Dies hatten die Peruaner vor allem ihren Kupfervorkommen sowie dem Handel mit Kautschuk, Zucker und Baumwolle zu verdanken, welche auf dem Weltmarkt immer bessere Preise erzielten.

Das politische Klima jedoch war instabil. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die indigene, analphabetische Bevölkerung und Frauen vom Wahlrecht ausgeschlossen. Erst 1919, mit der Wahl von Ausgusto B. Leguia, wurde zum ersten Mal ein Peruaner aus der Mittelschicht Präsident. Bis in die 1950er Jahre wechselten sich allerdings gewählte Regierungen immer wieder mit Militärdiktatoren ab. Der aufgrund von Grenzstreitigkeiten zwischen Peru und Ecuador geschlossene Friedensvertrag im Jahr 1941 führte dazu, dass Ecuador einen Teil seines Staatsgebiets an Peru abgeben musste. Dies führte zu einigen Streitigkeiten zwischen beiden Ländern.

Auch die Nachwehen des zweiten Weltkriegs machten vor Peru nicht halt. Das Land benötigte Kapital, um seine geschwächte Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch der Neuanfang gelang, hauptsächlich durch wieder zunehmend interessierte, ausländische Investoren. Die Regierungen wechselten weiterhin in schneller Folge, mal bedingt durch konkurrierende Machtansprüche, mal aufgrund der sozialen Ungleichgewichts.

Demokratie, Sozialismus und Guerillakämpfe

Unter den verschiedenen Regierungen war auch die 1927 in Paris gegründete APRA (Alianza Popular Revolucionaria Americana). Bei der APRA handelte es sich um eine sozialistische Bewegung für soziale Gerechtigkeit. Ihr erster Präsident Haya de la Torre gewann 1931 die Wahl. Kurz darauf jedoch wurde die Partei verboten und der Präsident kam für 15 Monate ins Gefängnis. Erst im Jahr 1945 wurde die APRA erneut legalisiert, um dann 1956 wieder verboten zu werden.

Im Jahr 1933 wurde in Peru eine demokratische Verfassung eingeführt. Hierdurch war es auch möglich, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes freie Wahlen durchzuführen. Diese fanden im Jahr 1963 statt und vielen zugunsten des Linken Fernando Belaunde Terry aus. Er führte auch Maßnahmen wie die erneute Privatisierung von industriellen Betrieben und eine Öffnung des peruanischen Marktes ein.

Als Anfang der 80er Jahre die Terroranschläge der Kommunisten im Land zunahmen, musste seitens des Staatsoberhaupts im Mai 1983 der Ausnahmezustand über das Land verhängt werden.
Nach allen denkbaren Höhen und Tiefen kam die APRA unter dem Präsidenten Alan Garcia 1985 an die Macht. Die erste Präsidentschaft von Alan Garcia stand allerdings unter keinem guten Stern. Sie war geprägt von einer Schuldenpolitik, Inflation, Unruhen und Guerillakämpfen, letztere vor allem verantwortet durch den „Leuchtenden Pfad“, welcher in der Europäischen Union immer noch als Terrorgruppe gilt. Nach nur fünf Jahren endete die erste Präsidentschaft Garcias 1990 mit einem wirtschaftlichen Niedergang Perus.

Ein Land mit starkem politischen Willen

Setzen wir unserer kleine Zeitreise nun im aktuellen Jahrhundert fort. Im Mai 2008 tat sich Peru mit elf weiteren unabhängigen Staaten Südamerikas zusammen und gründete die ‚Union Südamerikanischer Nationen‘, genannt „Unasur“. Hierbei nahm man sich die Europäische Union zum Vorbild.

Auf diese bedeutende Gründung folgte eine ebenfalls weitreichende politische Vereinbarung, als Peru 2010 mit der EU ein Freihandelsabkommen abschloss. 2009, ein Jahr zuvor, war bereits ein Gesetz zur umfänglicheren Nutzung natürlicher Ressourcen beschlossen worden. Diese Verschiebungen in Richtung forciertem Wirtschaftswachstum und Naturausbeutung forderten deutliche Proteste sowie einen Ausnahmezustand in mehreren nordöstlichen Regionen des Landes heraus. Der Zustand dauerte ganze zwei Monate an. Als auch noch blutige Auseinandersetzungen hinzukamen, zog die Regierung die umstrittenen Gesetze zurück.

Heute, ein halbes Jahrzehnt später, liegt die Regierung des Landes Peru in den Händen des links-nationalen Politikers Ollanta Humala, welcher 2011 zum Präsidenten gewählt wurde.

Nun haben wir einen kurzen Streifzug durch die Geschichte Perus unternommen. Doch dieses Land hat noch so viel mehr zu bieten als seine eigene Historie. Lassen Sie sich überzeugen, bei unserer nächsten Reise in dieses Land – auch bekannt als das sagenhafte Reich der Inka.

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