Huaca Huantille: Limas Vergangenheit in neuer Gestalt

Ausgrabungen zum richtigen Zeitpunkt: Von der Müllhalde zur Attraktion

Eine sandige, lehmige Fläche mitten in der Stadt – das ist keine Seltenheit in Lima. Die Großstadt ist durchsetzt mit Bauten aus einer Zeit, als noch keine Europäer das Land besiedelten. Damals herrschten die indigenen Kulturen, die Lima-Kultur, die Ichma und zuletzt die Inkas. Sie haben ihre Spuren hinterlassen, manche sind aber unsichtbar geworden. Und manche unsichtbare sind in den letzten Jahren wieder aufgetaucht. So steht es auch mit der Huaca Huantille.

Erstmals beschrieben wurde sie im 19. Jahrhundert, als mehrere europäische und amerikanische Forscher sich für die alten Bauten interessierten. Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch, als Lima zu expandieren begann, vergaß man den Wert der alten Kulturen: Die Zuwanderer benötigten günstiges Baumaterial und bedienten sich an den Huacas in ihrer Nachbarschaft oder lebten in den alten Gemäuern. Das Gelände der Huaca Huantille war wegen Kriminalität und Drogen berüchtigt und sollte sogar abgerissen werden.

Erst im Jahre 2001 besann man sich und machte sich an die Planung einer Wiederherstellung, die 2006 begann. Die dort lebenden Menschen wurden umgesiedelt, die Mauern, Terrassen und Treppen von Müll befreit und restauriert.

Bedeutung und Konstruktion der Huaca Huantille

Eine Huaca ist ein heiliger Ort, ein Ort, an dem religiöse Zeremonien stattfinden. Im Tal des Rímac, in dem Lima liegt, gibt es über fünfzig dieser Stätten, die Gegend wurde vor der Ankunft der Spanier in Peru von verschiedenen Völkern besiedelt, manchmal vom mehreren gleichzeitig.

Bei Ihrem Lima-Besuch werden Sie sicher in irgendeinem Stadtteil an einer Huaca vorbeikommen, entweder unbeabsichtigt oder weil Sie sich dafür interessieren. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Blick auf ein solches Gelände zu werfen.

Die Huaca Huantille ist ein pyramidenartiger Bau (wobei pyramidenartig nicht wirklich als Pyramide verstanden werden kann, sondern in diesem Fall darauf hindeutet, dass die Huaca mehrere Stockwerke besitzt, die nach oben hin kleiner werden) mit einer Zugangsrampe und verschiedenen Räumlichkeiten und Terrassen.

Die unterschiedlichen Elemente entstanden im Laufe der Jahrhunderte. Gegründet würde die Huaca Huantille etwa 900 n. Ch. von der Ichma-Kultur, Mitte des 15. Jahrhunderts eroberten dann die Inkas das Rímac-Tal und damit die Bauwerke und führten weitere Baumaßnahmen durch. Das Gelände ist heute 1.000 Quadratmeter groß, was etwa einem Drittel der ursprünglichen Fläche entspricht. Aufgrund dieser Größe nimmt man auch an, dass die Huaca unter anderem als Festung diente. Am besten erhalten ist die Ostseite, an der die pyramidale Struktur der Huaca besonders deutlich wird.

Kultureller Wert der Huaca Huantille

Zeugnisse vergangener Zeiten zu bewahren, vor allem wenn es sich um Stätten dieser Größe handelt, erfordern ein Bewusstsein für ihren Wert und natürlich Geld. Deshalb ist es der Stadt Lima erst in den letzten Jahrzehnten gelungen, wichtige archäologische Stätten zu erforschen.

Die Huaca Huantille wurde seit der Wiederentdeckung aktiv in die Liste der sehenswerten Bauwerke integriert. Auf dem Gelände wird immer noch gegraben und restauriert, Besucher können das Bauwerk jedoch kostenlos besuchen. Informationstafeln auf Spanisch und Englisch erklären die Funktionen der Räumlichkeiten.

Wenn Sie die Huaca Huantille besuchen, werden Sie auf Ihrem Rundgang das Bauwerk in verschiedenen Stadien der Restauration vorfinden. Sie bekommen eine Ahnung davon, wie sie früher ausgesehen haben könnte, sehen aber auch, welche Baumaterialen sich unter der Lehmschicht verbergen. Während der Ausgrabungsarbeiten ab 2006 wurden Opferstätten und ein Friedhof zutage gefördert, ebenso wie bemalte Wände, und auch Keramiken und Textilien, die heute im zugehörigen Museum zu sehen sind.

Huaca Huantille

Adresse:
Salas 138, Magdalena del Mar
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