Der Palacio Torre Tagle: einer der repräsentativsten Bauten Limas

Limas Altstadt ist in seiner kolonialen Pracht höchst abwechslungsreich. Da sind einige wenige Gebäude, die tatsächlich aus der allerersten Anfangszeit stammen, solche, die zwar seit Jahrhunderten an derselben Stelle stehen, sich aber gewandelt haben, und solche, die noch nicht ganz so alt sind. Zu letzteren gehört der Palacio Torre Tagle. In Auftrag gab ihn der Marqués de Torre Tagle, wovon das Wappen über dem Eingangstor zeugt. Der Marqués war Schatzmeister der spanischen Flotte und wünschte sich ein seiner Position entsprechendes Wohnhaus. Das Gebäude stammt aus dem Jahre 1735 und hat wie durch ein Wunder die schlimmsten Erdbeben überstanden. So ist es heute als einer der repräsentativsten Bauten Limas erhalten.

Architektonische Stilmischung in höchster Vollendung

Es ist schwer zu sagen, was als erste ins Auge sticht, wenn man sich dem Palast nähert. Flankiert wird er von weit weniger imposanten Gebäuden, was ihn klar hervortreten lässt. Ist es die rosa Farbe der Fassade? Oder sind es die wuchtigen Holzbalkone, die über den Gehweg ragen? Es heißt, diese Balkone seien die schönsten Limas. Darüber, dass sie einen besonderen Detailreichtum aufweisen, lässt sich nicht streiten. Da sind filigrane Verzierungen in unterschiedlichen Holzarten, mit Holzstäben vergitterte Fensterläden, die Balken, die die Balkone tragen, sind mit Schnitzereien verziert. Zwischen den Balkonen umrahmt ein massives barockes Steinportal mit weißem Aufsatz das Eingangstor. Die vielen Verzierungen an der Fassade werden erst bei genauerem Hinsehen deutlich, aus einiger Entfernung wirkt das Gebäude vor allem massiv. Und beeindruckend, denn an diesem Bau haben sich kolonialer Barock und nordafrikanisch beeinflusste Holzarbeit zu einem Gesamtbild vereint, das den Reichtum und sozialen Status einer wichtigen Familie repräsentiert. Ganz anders ist der Innenhof, der im sevillanischen Stil ausgeführt wurde. Die lichtdurchfluteten Galerien verleihen dem zum Himmel hin offenen Raum Leichtigkeit. Beim Betrachten des Gebäudes stellt sich der Besucher unwillkürlich vor, wie die reichen Bürger von den Balkonen auf die Straße hinabblickten oder im geschützten Hof im Schatten der Galeriebögen verweilten.

Der Palacio Torre Tagle heute

Heute ist der Palacio Torre Tagle Sitz des Außenministeriums. Tatsächlich ist der Bau für Besucher relativ schwer zugänglich. Nur mit vorheriger Anmeldung oder im Rahmen einer speziellen Tour ist es möglich, die prächtigen, mit Mobiliar aus dem 18. Jahrhundert eingerichteten Innenräume zu besichtigen. Der Aufwand lohnt sich jedoch. Der Palast besitzt 14 Zimmer und eine Kapelle mit barockem Altar. Gemälde der Familie Torre Tagle zieren die Wände, Kristalllüster, Spiegel und Goldverzierungen an den hohen Decken vervollständigen das prunkvolle Bild. Die farbliche Gestaltung der Innenräume zeugt von Geschmack und einem Blick für Ästhetik. Besonders gelungen wirken die gelb gestrichenen Wände, deren unterer Teil mit Fliesen in verschiedenen Blautönen geschmückt ist. Diese Farbkombination ist in Lima häufig zu finden. In einem der blau-gelben Räume ist die Kutsche des Marqués de Torre Tagle ausgestellt.

Palacio Torre Tagle

Palacio Torre Tagle innen

Palacio Torre Tagle Hof